Perl (Saarland) – Hat sie die Gefahr nicht erkannt? Die riesige Landmaschine nicht gehört? Oder zog ihr Rottweiler die Rentnerin in das Maisfeld? Die Bauern der Gegend können sich den Maishäcksler-Unfall, bei dem die 62-Jährige schwer verletzt wurde, nicht erklären. Doch innehalten geht nicht, die Ernte muss weiterlaufen.
BILD ist nach dem Unfall auf Spurensuche im saarländischen Perl. Pures Landleben im Dreiländereck Deutschland-Frankreich-Luxemburg an der Obermosel. 14 Ortsteile, insgesamt nur etwa 10 000 Einwohner. Auf diesen Äckern läuft gerade die Maisernte. Riesige Maschinen röhren durch die mannshohen Stängel, schneiden, pressen, häckseln sie und spucken dann alles in einen mitfahrenden Hänger.
So passierte der Unfall mit der Frau beim Gassigehen
So auch am Freitagvormittag, als zwei Männer – einer mit Traktor und Hänger, daneben ein Lohnarbeiter auf dem Maishäcksler – ein Feld im Ortsteil Münzingen (Saarland) abernten. Der Lärm ist ohrenbetäubend.
Auf dem Feldweg daneben geht eine Rentnerin (62) mit ihrem Rottweiler spazieren. Ein Landwirt kennt sie: „Ich habe die Frau schon oft hier gesehen. Sie kommt gebürtig aus Luxemburg. Sie fuhr immer mit dem Auto hierher, um mit ihrem Hund Gassi zu gehen. Dabei hatte sie immer so ein Brustgeschirr um.“
Dass der Hund frei lief, hat der Bauer nie beobachtet.
Riss der Hund sich los?
Was dann geschieht, beschäftigt die Polizei – und ist Gesprächsthema in der Landwirtschaft und unter Nachbarn der Frau im acht Kilometer entfernten Freudenberg (Rheinland-Pfalz).
Eine Nachbarin sagt: „Ich habe die Frau mit dem großen Rottweiler auch schon gesehen. Sie ist vielleicht 1,65 Meter groß. Der Hund zog sie oft hinter sich her, vielleicht hatte sie ihn nicht im Griff. Doch wie konnte sie nur mitten in ein hohes Maisfeld laufen, wo gerade mit schweren Maschinen gearbeitet wurde? Sie muss ja regelrecht in den hohen Pflanzen verschwunden sein. Ich hoffe, sie wird wieder ganz gesund.“
Im Bericht der Polizei steht dazu: „Anhand der Ermittlungen vor Ort ging die Frau mit ihrem Hund spazieren, als dieser sich vermutlich losriss und ins Maisfeld lief.“
Frauchen und Hund in Presswalze gezogen
Fest steht, dass Frauchen und Rottweiler plötzlich vom Feldweg in die Maisreihen rannten und vom Häcksler erfasst wurden.
Einer der Bauern: „Ich habe gehört, dass die Frau von ihrem Hund an der Leine kopfüber in die Presse der Maschine gezogen wurde und die Retter über eineinhalb Stunden brauchten, um sie da rauszuholen.“ Das wird im Dorf erzählt. Womöglich wollte die Frau ihren Hund vor dem Häcksler retten.
Die Frau erlitt laut Polizei massive Verletzungen im Beckenbereich, schwebte zunächst in Lebensgefahr. Der Rottweiler, so Zeugen, wurde von der Presswalze so schwer an den Hinterbeinen verletzt, dass er noch auf dem Feld von einem Tierarzt erlöst werden musste.
Das Maisfeld ist am Tag nach dem Unfall abgeerntet. Ein Landwirt erklärt das so: „Auch wenn der Arbeiter geschockt war, die Arbeit muss weitergehen.“