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Hier bröckelt die Brandmauer

Felix Teichner wirkt an diesem Vormittag wie ein Politiker unter vielen. Der
AfD-Mann sitzt auf einer Bühne in einer Hotelbar in Prenzlau, neben Karina Dörk von der CDU, der Landrätin der Uckermark. Beide bekommen Brot, Wurst und
Milch gereicht. Sie sollen raten, welche Produkte aus der Region kommen und
welche nicht. »Das wäre eine Katastrophe, wenn ich das als Fleischersohn nicht
hinbekomme«, scherzt Teichner, als er nach der Wurst greift. Gelächter im Raum.
Tatsächlich liegt Teichner jedes Mal richtig und gewinnt 3:2.

Regionale
Wirtschaftsverbände haben die beiden Politiker zu einem Kandidatenforum
eingeladen. An diesem Sonntag wird in der Uckermark ein neuer Landrat gewählt. Und
der Herausforderer Teichner darf sich Chancen ausrechnen, Amtsinhaberin Dörk zu
schlagen. In der regionalen Wirtschaft wird deshalb bereits darüber diskutiert, wie eine Zusammenarbeit mit der AfD aussehen könnte. Viele Unternehmer hier halten eine Ausgrenzung der Partei, die vom Brandenburger Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft worden ist, ohnehin für falsch.

Noch vor wenigen Monaten wurde in Deutschland heftig darüber gestritten, wie
die Wirtschaft mit der AfD umgehen soll. Im Raum stand die Frage, ob
Unternehmer überhaupt mit der AfD reden sollten oder nicht. Ausgelöst hatte die
Debatte der Verband der Familienunternehmer, als er ein Kontaktverbot zur AfD
aufhob. Die Reaktionen fielen unterschiedlich aus: Manche Unternehmer warben
für einen offenen Austausch, andere warnten vor einer schleichenden
Normalisierung. Bekannte Unternehmen wie Rossmann und Vorwerk traten gar aus
dem Verband aus. Nach viel Kritik ruderte der Verband zurück und räumte ein, dass die Einladung von AfD-Abgeordneten zu einem parlamentarischen Abend ein Fehler gewesen sei.

In der Uckermark scheint diese Debatte heute weit weg.
Die Region gehört wie viele Landkreise in Brandenburg inzwischen zu den
Hochburgen der AfD. Bei vergangenen Wahlen kam die Partei hier auf deutlich
über 30 Prozent der Stimmen. Für die Organisatoren der Veranstaltung in Prenzlau stand es deshalb außer
Frage, Teichner einzuladen. »Wir müssen allen relevanten Kandidaten eine Bühne
bieten und dürfen niemanden ausschließen«, sagt Jörn Klitzing von der IHK Ostbrandenburg.
Zumal es auch Unternehmer gebe, die mit der AfD sympathisierten.

Teichner weiß die Bühne zu nutzen

Der Raum im Keller des Hotels ist gut gefüllt. Rund 70 Unternehmerinnen und Geschäftsleute
aus der Region haben sich an diesem Vormittag im März an runden Tischen versammelt, die mit weißen Decken, belegten
Brötchenhälften auf dreistöckigen Servierständern und Kaffee eingedeckt sind. Und Felix Teichner, Seitenscheitel, schwarzes Sakko, Sneaker, weiß die
Bühne für sich zu nutzen. Der 35-Jährige betont seine Verbundenheit zur Region.
Er ist in Prenzlau geboren und aufgewachsen. Im Jahr
2019 wählten die Wähler in der Uckermark den gelernten Industriemechaniker direkt in den Landtag. Dort kümmere er sich heute um Bürokratieabbau,
sagt Teichner, also ein Thema, dass auch die Mehrheit der Anwesenden im Raum betreffe.

Die Wirtschaft in der Uckermark ist kleinteilig und stark mittelständisch
geprägt. Viele Betriebe kommen aus dem Handwerk, der Bauwirtschaft und dem
Dienstleistungsbereich, größere industrielle Arbeitgeber gibt es nur wenige – etwa die PCK-Raffinerie und die Papierindustrie in Schwedt, von der viele
Zulieferer abhängen. Wie in vielen ländlichen Regionen kämpfen die Unternehmen
vor allem mit Fachkräftemangel, gestiegenen Energiepreisen, langsamen
Genehmigungsverfahren und wachsender Bürokratie. Die Arbeitslosigkeit ist mit
11,3 Prozent hoch.

Für einen AfD-Politiker gibt sich Teichner auffallend gemäßigt. Typische
Parolen etwa gegen Zuwanderung sind von ihm nicht zu hören. Das liegt auch an den
Fragen, welche die Veranstalter vorher ausgewählt haben und die sich
ausschließlich um wirtschaftliche Themen mit regionalem Bezug drehen. So bleibt
zum Beispiel unerwähnt, dass Teichners Partei ein homophob wirkendes Wahlplakat mit vermeintlichen
Bezügen zur NS-Zeit erstellen ließ, auf dem seine Konkurrentin Dörk abgebildet ist – das Plakat hatte eine Kontroverse ausgelöst, woraufhin Teichner dem RBB sagte, sich die Symbolik nicht zu eigen zu machen.

In Prenzlau spricht der AfD-Politiker stattdessen über das Potenzial des Tourismus für die
Region. Schließlich ist die Uckermark etwa bei Menschen aus Berlin ein
beliebtes Ausflugsziel. Teichner fordert den Erhalt der PCK-Raffinerie,
die seiner Ansicht nach in einer Zeit nach Putin auch wieder mit russischem Öl
beliefert werden könne, sowie schnellere Genehmigungen für Wohnungsbauprojekte. Eine
Priorität ist für Teichner ausgerechnet der Ausbau von Radwegen. Als Dörk eine Willkommenskultur
fordert, um dringend benötigte ausländische Fachkräfte anzuwerben, zeigt Teichner keine Regung. Er blickt geradeaus, die Hände verschränkt. Gerade für die Tourismusbranche seien diese besonders wichtig, betont die Landrätin.

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