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EU plant Notfallsystem für Militärtransporte

Die Europäische Union arbeitet an einem neuen Notfallsystem, das im Ernstfall eine schnelle Verlegung von Soldaten und Militärausrüstung über Grenzen hinweg ermöglichen soll. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa will die Europäische Kommission dazu an diesem Mittwoch in Brüssel einen konkreten Vorschlag vorlegen. Der Vorschlag der EU-Kommission sieht vor, dass Militärtransporte im Notfall Vorrang vor allen anderen Transporten innerhalb der EU bekommen. 

Außerdem soll es Ausnahmen von Regeln wie Lenk- und Ruhezeiten, Umweltauflagen oder Meldepflichten geben, damit Truppen ohne Verzögerung an ihr Ziel gelangen können. Schienenfahrzeuge könnten auch außerhalb ihres normalerweise genehmigten Einsatzbereichs eingesetzt werden.

Hintergrund der Planungen sind Geheimdiensterkenntnisse, nach denen Russland spätestens 2030 militärisch in der Lage sein dürfte, einen weiteren Krieg zu beginnen. „Russland hat derzeit keine Kapazität, einen Angriff auf die EU zu starten. Es könnte sich aber in den kommenden Jahren darauf vorbereiten“, sagte die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas im Oktober. Die Gefahr werde nicht verschwinden, selbst wenn der Krieg in der Ukraine ende.

„Europa kann es sich nicht leisten, langsam zu handeln“

„In Krisen, in denen der Zeitfaktor bei jeder Reaktion entscheidend sei, kann es sich Europa nicht leisten, langsam zu handeln“, heißt es in einem Text zu der geplanten Richtlinie, die von Kallas, Verteidigungskommissar Andrius Kubilius und Verkehrskommissar Apostolos Tzitzikostas vorgestellt werden soll. Situationen, die eine schnelle und umfangreiche militärische Verlegung erfordern, träten selten angekündigt auf. Dann könne man sich nicht auf Ad-hoc-Koordinierung und den guten Willen einzelner Staaten verlassen. Für den Fall der Fälle brauche es einen klaren Plan und einen Vorrang für die Streitkräfte. Ohne dies bleibe alle Abschreckung theoretisch.

Über den Kommissionsvorschlag werden nach der Vorstellung der Rat der Mitgliedsstaaten und das Europäische Parlament beraten. Wenn das neue System beschlossen werden sollte, könnte es im Krisenfall innerhalb von 48 Stunden aktiviert werden. In den Arbeitstexten der Kommission wird es als European Military Mobility Enhanced Response System (Emers) bezeichnet.

Bisherige Anstrengungen gelten als unzureichend

An den Bemühungen der EU, die militärische Mobilität deutlich zu verbessern, hatte es zuletzt immer wieder Kritik gegeben. So monierte beispielsweise Anfang des Jahres der Europäische Rechnungshof, dass Milliardeninvestitionen in Projekte für eine schnellere Verlegung von Streitkräften innerhalb Europas nicht die gewünschte Wirkung zeigten. Demnach wurden geförderte Infrastrukturprojekte nicht mit Blick auf die Gesamtlage oder die dringendsten Prioritäten, sondern auf Einzelfallbasis ausgewählt.

Die EU-Kommission hatte im November 2022 als Reaktion auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine angekündigt, militärisch nutzbare Infrastrukturprojekte mit 1,7 Milliarden Euro zu fördern. Darunter fiel etwa der Ausbau von Straßen oder Bahnstrecken. Die dafür zur Verfügung stehenden Mittel waren Ende 2023 bereits aufgebraucht, obwohl sie bis 2027 vorgesehen waren. Der Rechnungshof bemängelt daher auch eine Finanzierungslücke.

Für den nächsten langfristigen EU-Haushalt hat die Kommission nun eine Verzehnfachung des Budgets für militärische Mobilität vorgeschlagen. Insgesamt sollen 17,65 Milliarden Euro für Investitionen in militärisch nutzbare Verkehrsinfrastruktur bereitgestellt werden.