Inmitten der verheerenden Situation in der Ukraine hat US-Präsident Donald Trump Hoffnungen auf eine begrenzte Waffenruhe geschürt. Der russische Präsident Wladimir Putin habe bei einem Telefonat seiner Bitte nach einer einwöchigen Pause der russischen Angriffe auf Kyjiw und weitere ukrainische Städte zugestimmt, sagte Trump. Der Republikaner führte als Grund für seine Initiative bei Putin die extreme Kälte in der Ukraine an. Zum Beginn der Angriffspause äußerte er sich nicht.
Von russischer Seite gab es dafür bislang keine offizielle Bestätigung. Putins Sprecher Dmitri Peskow hatte Stunden vor Trumps Äußerungen
Meldungen über eine bevorstehende Einigung zu einem Verzicht auf Schläge
gegen Energieobjekte nicht kommentieren wollen.
Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj äußerte sich zurückhaltend zu der Ankündigung. Er dankte zunächst den USA für die Bemühungen, ein Moratorium für russische Angriffe auf Energieanlagen zu erreichen. „Die Lage jetzt in der Nacht und in den kommenden Tagen, die tatsächliche Situation in unseren Energieanlagen und Städten“ werde zeigen, ob es eine solche Waffenruhe tatsächlich geben werde, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videobotschaft.
Um die Stromversorgung sei es auch bei den jüngsten Verhandlungen mit russischen und US-Vertretern in den Vereinigten Arabischen Emiraten gegangen, schrieb Selenskyj auf X. „Wir gehen davon aus, dass die Vereinbarungen umgesetzt werden.“ Auch er nannte keinen Startzeitpunkt für eine mögliche Waffenruhe.
Zwischenzeitlich Hälfte der Kyjiwer Haushalte ohne Strom
Russland hat die Ukraine diesen Winter mit schweren Angriffen aus der Luft überzogen. Das ohnehin stark geschwächte Strom- und Wärmenetz wurde weiter systematisch attackiert.
Kyjiw war in der ersten Januarhälfte bereits zwei schweren Angriffen ausgesetzt. Nach erneutem Beschuss der Heizkraftwerke am Samstag waren etwa 6.000
Wohnblöcke und damit etwa die Hälfte der Millionenstadt bei teils
zweistelligen Minusgraden ohne Fernheizung. Inzwischen sind es noch etwa 450 Wohnblöcke. Seit Donnerstag haben viele der Einwohner durch Stromsperren zumindest wieder fünf bis acht Stunden Elektrizität
täglich.
Nach zwei Tagen mit leicht über null Grad werden für das Wochenende
wieder starke Fröste mit zum Teil unter minus 20 Grad in der Nacht
erwartet. Kyjiws Bürgermeister Vitali Klitschko hatte die Einwohner bereits aufgefordert, wenn
möglich, die Hauptstadt zumindest für kurze Zeit zu verlassen.
Luftalarm in Kyjiw
Der bislang letzte Luftalarm in der Hauptstadt war in der Nacht zum Mittwoch
ausgelöst worden. In der Nacht zum Donnerstag flogen die Drohnen an der
ukrainischen Hauptstadt vorbei, schlugen aber an anderen Orten in dem
Land ein.
Russische Militärblogger zeigten sich empört über eine mögliche Angriffspause. Es gebe
Informationen, dass den russischen Streitkräften bereits seit Donnerstagmorgen Angriffe gegen Kyjiw und das Umland sowie gegen
sämtliche Infrastrukturobjekte verboten worden seien, schrieb ein Militärblogger. Er veröffentlichte mehrere Beiträge russischer Soldaten, die in dem Zusammenhang von „Verrat“ sprachen.
In der Ukraine bleibt jedoch Skepsis angesichts der von Trump angekündigten Teilwaffenruhe. Der Bürgermeister der Stadt Lwiw, Andrij Sadowyj, rief dazu auf, sich auf den Katastrophenfall vorzubereiten. Russland könne versuchen, den starken Frost auszunutzen, um noch einmal das Energienetz anzugreifen, warnte er bei Telegram.
