Oberflächlich war das CDU-Spitzenpersonal voll des Lobes füreinander, wenn es in den zurückliegenden zwei Tagen darum ging, die Kanzlerkandidatur von Friedrich Merz zu würdigen. Dabei wurde teils auffällig dick aufgetragen.
BILD erklärt, welche kleinen Gemeinheiten hinter den Worthülsen der Unionsgranden stecken – und entschlüsselt die teils scheinheilige Scharade.
Hendrik Wüst
► NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (49, CDU) hatte für Merz diesen Satz parat: „Friedrich Merz ist einer von uns, tief verwurzelt im Sauerland.“ Das klang nett. Aber wollte Wüst den Bundesvorsitzenden damit indirekt als provinziell darstellen? Ganz so, wie Helmut Kohl immer als „Oggersheimer“ (Stadtteil von Ludwigshafen) tituliert wurde?
► Wüst sagte auch, er stehe „aktuell und unter den gegebenen Umständen“ für die Kanzlerkandidatur bei der Bundestagswahl 2025 nicht zur Verfügung.
Heißt: Wenn Merz nicht nach der Kanzlerkandidatur gegriffen hätte, hätte er den Job liebend gern selbst gemacht. Außerdem meldete Wüst damit durch die Blume für die darauffolgende Bundestagswahl schon mal Interesse an.
► Dann würdigte Wüst den CDU-Chef noch mit pflichtschuldigen Sätzen. Etwa, dass Merz die Partei wieder „geeint und in ruhiges Fahrwasser“ gebracht habe. Das ist aber nur das Minimum dessen, was interne Kritiker Merz zugestehen. Sich selbst pries Wüst über den grünen Klee. Seine guten Umfragewerte ließen ihn „nicht unberührt“. Subtext: Die Leute mögen mich mehr.
Markus Söder
► „Friedrich Merz ist der Chef in Berlin, ich bleibe Chef in Bayern“, stellte Bayern-Regent Markus Söder (57) beim Auftritt mit Friedrich Merz fest. Das klang nach guter Arbeitsteilung. Aber dahinter verbarg sich eine Drohung. Denn als CSU-Chef sieht sich Söder automatisch mit am Kabinettstisch. Botschaft: Er will und WIRD bei ALLEM mitreden.
► „Wir beide sind uns komplett einig“, säuselte Söder. Doch in Wahrheit hatte Söder bis zuletzt gestichelt und sich als bessere Alternative empfohlen. Wenn Merz auch nur einen Fehler gemacht hätte, hätte Söder zugeschlagen. Und so war es passend, dass Söders scheinbar nette Aussage, er sei „fein damit“, dass Merz es nun wird, sich einer Redewendung aus dem Englischen bedient. Und die bedeutet „nicht etwa Zustimmung“, „sondern allenfalls ein Einlenken: Anders wäre es besser gewesen, but okay, I’m fine with it“ (FAZ).
Friedrich Merz
CDU-Chef Friedrich Merz (68) trug nicht allzu dick auf. Er dankte „dem lieben Markus“ „sehr herzlich“ für die „gute Zusammenarbeit“ – auch wenn davon keine Rede sein kann. Deshalb fügte er an: „Die ist nicht immer einfach gewesen. Für ihn nicht, für mich nicht.“ Was Merz damit durch die Blume sagte: Es war ein beinharter Konkurrenzkampf, den sie beide da ausgefochten haben. Und Söder hat ihn mit seinen Querschüssen provoziert wie kein Zweiter …