Chemnitz (Sachsen) – Deutschland 2006: Angela Merkel ist seit ein paar Monaten Bundeskanzlerin, die Fußball-WM wird zum Sommermärchen – und ganz unbemerkt von der Weltöffentlichkeit sackt in Sachsen eine Fahrspur der Staatsstraße 228 weg.

Repariert ist sie bis heute nicht, stattdessen regelt dort eine Baustellen-Ampel den Verkehr. Seit 18 langen Jahren nervt die vermutlich älteste Baustelleneinrichtung Deutschlands die Autofahrer zwischen Zschopau und Scharfenstein (Sachsen)!

Die S228 liegt südlich von Chemnitz an einem Hang im Erzgebirge, direkt unterhalb führt die Bahnstrecke von Chemnitz nach Vejprty (Tschechien), wieder ein paar Meter tiefer rauscht die Zschopau durchs Tal.

Anwohner rätseln, warum in 18 Jahren nichts passiert ist

Der abgesackte Straßenbereich ist mit Betonpollern abgesperrt, eine Baustellen-Ampel leitet den Verkehr einspurig vorbei. Anwohner Silvio Ay (51, Programmierer) wohnt nur wenige hundert Meter entfernt an der Straße. „Als die Straße absackte, kam die erste Baustellen-Ampel. Dann wurde die Asphaltdecke saniert, man hat versucht, die Straße abzustützen, doch das hat nicht lange gehalten. Seitdem leben wir wieder mit der Ampel.“

Bettina (60) und Stefan Wachenschwanz (63) wandern gerne an der Zschopau. Der Vermessungstechniker nutzt die S228 regelmäßig auf der Fahrt zur Arbeit: „Die Ampel steht hier schon ewig. Es ist für mich völlig unverständlich, dass hier in 18 Jahren nichts gemacht wurde, auch wenn die Hanglage bautechnisch schwierig ist.“

BILD hakte beim Landesamt für Straßenverkehr nach. Pressesprecherin Corinna Saring: „Die Absperrung wurde vorsorglich eingerichtet, um Risse entlang des Hanges und leichte Senkungen des Fahrbahnbelags zu verhindern. Dies dient dem Schutz der Böschung und der darunterliegenden Bahnstrecke. Die erste Absicherung erfolgte 2006, die aktuelle Baustellen-Ampel (LSA) wurde am 15.11.2016 installiert.“

Ein Baubeginn ist nicht in Sicht

Laut Landesamt braucht es ein dauerhaftes Stützwerk, um die Staatsstraße zu sichern. Tatsächlich gibt es bereits zwei ältere Stützmauern, zwischen denen entlang der Straße eine etwa 30 bis 40 Meter große Lücke klafft. Genau an der Stelle, wo die Fahrbahn und der Hang absackten.

Corinna Saring: „Aufgrund komplexer geologischer und umweltfachlicher Anforderungen sowie der Nähe zur Erzgebirgsbahn ist die Planung bisher nicht abgeschlossen.“ Zudem dürfe die Bahntrasse nicht für die Bauarbeiten gesperrt und es müssten diverse Aspekte des Umweltschutzes berücksichtigt werden.

Damit nicht genug. Nach der abgeschlossenen Planung muss Baurecht erteilt, müssen Haushaltsmittel zur Verfügung gestellt, die Bauarbeiten ausgeschrieben werden. Corinna Saring: „Ein Baubeginn kann vor dem Hintergrund der ausstehenden Planungs- und Genehmigungsschritte bisher nicht belastbar benannt werden. Die Bauzeit ist mit etwa einem Jahr unter Vollsperrung veranschlagt.“

Bis dahin bleibt die Staatsstraße in Sachsen weiter halbseitig gesperrt. BILD bleibt dran.