Autoland, wo fährst Du hin?
Die einseitige, von der Politik seit Angela Merkels Zeiten massiv geförderte Konzentration auf E-Mobilität gehört zu den wesentlichen Gründen der Krise unserer Autoindustrie – am besten zu beobachten bei VW, also dem Konzern mit dem größten politischen Einfluss. Denn das Land Niedersachsen verfügt über eine effektive Sperrminorität in dem Konzern.
Und was schlägt Wirtschaftsminister Robert Habeck am Freitag beim Besuch des VW-Werks in Emden als Stützungsmaßnahme für die deutsche Autoindustrie vor?
Den Ausbau der steuerlichen Förderung von E-Autos, genauer: für elektrisch betriebene Dienstwagen sowie bessere Abschreibungsmöglichkeiten für gewerblich genutzte E-Fahrzeuge.
Begünstigt werden sollen also solche Nutzer, die von den sattsam bekannten Nachteilen der E-Mobilität wie unzureichende Ladenetze, lange Ladezeiten und ungewisser Wiederverkaufswert deutlich weniger bis gar nicht betroffen sind im Vergleich zum Normalbürger, dem niemand einen Dienstwagen gibt.
Auch die SPD will ein Jahr vor der Bundestagswahl tief in die Tasche des Steuerzahlers greifen und eine Abwrack-Prämie auflegen. Wer auf ein E-Auto umsteigt, soll 3000 bis 6000 Euro bekommen. Übersetzt heißt das: Die Regierungspartei glaubt nicht daran, dass irgendjemand ohne Fördergelder E-Autos kaufen würde. Deutlicher kann man nicht sagen, dass man nicht an das Produkt glaubt.
Mein Rat: Wenn ein Produkt sich als schwer verkäuflich erweist, dann sollte man in Betracht ziehen, dass es am Produkt liegt. Dann helfen keine Steuerhilfen aus der Krise, sondern nur eine umfassende Verbesserung des Produkts.
Vielleicht sollte Habeck zu seinem Auto-Gipfel am Montag rasch noch einen Manager von Toyota einladen. Denn der japanische Automobil-Gigant verzeichnet Rekordgewinne und plant Milliarden-Investitionen statt Werksschließungen. Autos mit reinen E-Antrieben lehnt man dort seit Jahren weitgehend ab, weil die Toyota-Kunden meist schon wegen des Ladestationen-Problems nicht umsteigen wollen. Satte Umsätze macht Toyota mit seinen Hybrid-Fahrzeugen, die ganz überwiegend ohne Stecker und Ladesäulen auskommen.
Und ja: Toyotas größter Absatzmarkt ist nicht China, sondern Nordamerika.
Die Automobilindustrie ist DIE Schicksalsfrage für den Industriestandort Deutschland. Auf dem Auto-Gipfel des Wirtschaftsministers muss es darum gehen, wie VW, BMW und Mercedes aus der Krise kommen, und nicht um eine Verkaufsförderung von E-Fahrzeugen.