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Der globalisierte Krieg

Tausend
Tage Krieg und kein Frieden in Sicht. Stattdessen eskaliert der Kampf um die
Ukraine immer weiter. Die vergangenen Tage waren furchterregend.

Nachdem
Russland nun auch nordkoreanische Soldaten an die Front schickt, hat
US-Präsident Joe Biden der Ukraine erlaubt, amerikanische ATACMS-Raketen gegen
militärische Ziele tief im Inneren Russlands einzusetzen. Auch britische Marschflugkörper
vom Typ Storm Shadow dürfen von der ukrainischen Armee auf russisches Gebiet
abgeschossen werden.

Westliche
Nuklearmächte gestatten der Regierung in Kyjiw den Einsatz der von ihnen
gelieferten Waffen in Russland – eine Entscheidung, auf die Wladimir Putin
sofort antwortete: mit dem Abschuss einer Mittelstreckenrakete auf die
ukrainische Stadt Dnipro. Einer Rakete, die auch Nuklearsprengköpfe tragen kann.
Nun sei sie erstmals, erklärte Putin in einer Fernsehansprache, „unter
Gefechtsbedingungen getestet“ worden.

Immerhin:
Der Kreml hat die USA kurz vor dem Raketenangriff auf Dnipro informiert, um ein
atomares Missverständnis zu vermeiden. Was es umso leichter hätte geben können,
als Russland seit Kurzem eine neue Nukleardoktrin hat. Danach muss das Land
nicht mehr in seiner Existenz durch eine andere Atommacht bedroht sein, bevor der
Kreml Nuklearwaffen einsetzt. Die kann er künftig auch gegen einen Angreifer richten,
der selbst kein Nuklearstaat, aber mit einem solchen verbündet ist.

Kein regionaler Krieg mehr

Der
deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius hat dieser Tage gesagt, der
Ukrainekrieg sei „längst kein regionaler Krieg mehr“. Und damit hat er leider recht. Wie auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj das
Offensichtliche feststellt, wenn er sagt, der Krieg habe sich mit dem Eintritt
Nordkoreas „internationalisiert“, reiche er doch jetzt „über zwei Länder
hinaus“.

Wladimir Putin selbst spricht vom „globalen Charakter“, den der Krieg inzwischen angenommen
habe. Russland, behauptet er, habe das Recht, seine „Waffen gegen
Militäreinrichtungen jener Länder einzusetzen, die erlauben, dass ihre Waffen
gegen unsere Einrichtungen eingesetzt werden“.

Nun
könnte man das als eine leere Drohung abtun. Den entscheidenden Schritt zur „Globalisierung“
des Krieges aber hat Putin bereits getan, als er die Nordkoreaner in sein Land rief.
Gewiss, man kann es als ein Zeichen erbärmlicher Schwäche ansehen, wenn sich
das einst stolze Russland aus dem bitterarmen Nordkorea eine Söldnertruppe von
rund 12.000 Soldaten holt, die auf Befehl ihres Führers Kim Jong Un als
Kanonenfutter in die Schlacht geworfen werden.