Zwei Werke sollen geschlossen, bis zu 30 000 VW-Arbeiter gefeuert werden. Die Schock-Nachricht platzte ausgerechnet in die reguläre Betriebsversammlung der sächsischen Werke in Zwickau und Chemnitz.

„Die Stimmung war da natürlich explosiv“, berichtet Thomas Knabel, IG-Metall-Chef für die Region Zwickau, der die Betriebsversammlung live miterlebte. „Es herrschen Wut, Angst und Unverständnis.“

▶ Denn: Immer wieder hatte das Management die ganze Wahrheit nur scheibchenweise preisgegeben.

„Kollegen glauben dem Management kein Wort mehr“

„Erst vor einem Jahr wurden die befristeten Verträge nicht verlängert, mit dem Versprechen, dass die Kernbelegschaft sicher ist. Dann wurde der 3-Schicht-Betrieb plötzlich auf 2 Schichten heruntergefahren.“ Jetzt sei von Werkschließungen und Entlassungen die Rede. „Die Kollegen glauben dem Management kein Wort mehr“, so Knabel.

Ein Grund: Die Probleme am Standort Zwickau sind akut. 2019 war das Werk für 1,5 Milliarden Euro zur reinen E-Autoschmiede umgebaut worden. 10 000 Mitarbeiter hatten eigentlich eine Jobgarantie bis 2029. Doch statt wie ursprünglich geplant 360 000 E-Fahrzeuge, laufen pro Jahr derzeit nur 250 000 vom Band.

Habeck plant Krisengipfel

Wirtschaftsminister Robert Habeck (54, Grüne) lädt nächsten Montag zu einem Autogipfel. Eingeladen sind die IG Metall, Verband der Autoindustrie, die größten Hersteller und Zulieferer. Aber die Einladung ging bereits diesen Montag raus, hat BILD erfahren. Zudem besucht er morgen das VW-Werk in Emden.

Es wird auch Zeit. In den Auto-Standorten geht die Angst um.

Standort Sachsen bangt

Im zweiten sächsischen Produktionsstandort, der Gläsernen Manufaktur in Dresden, wird aktuell nur noch der ID.3 zusammengebaut – alibimäßig und in homöopathischen Dosen, wie es VW-intern heißt. Das Schicksal von Dresden als Produktionsstandort gilt als längst besiegelt. Die Nutzung des hypermodernen Glas- und Stahlbaus nahe der Dresdner Innenstadt ist vollkommen unklar.

Dagegen kündigt die IG Metall massiven Widerstand an. „Von einer Werksschließung in Zwickau-Mosel wären rund 60 000 Beschäftigte rund um den Automobilbau direkt betroffen. Mittelbar sind tausende weitere Arbeitsplätze gefährdet“, so IG-Metaller Thomas Knabel. „Das ist ein Angriff auf die ganze Region!“

Ob der Standort Zwickau tatsächlich angetastet werden könnte, ist unklar. Trotzdem verspricht Kabel: „Wir nehmen die Drohungen ernst. Zwickau als Ganzes und auch Werksschließungen stehen für uns nicht zur Disposition.“