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„Alles hängt davon ab, was der Boss, Trump, mit uns vorhat“

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Bahar, 38: „Ich will eine Intervention, wenn dann die Gefangenen freikommen“

Ich war gegen den letzten Krieg im vergangenen Jahr, als der Iran bombardiert wurde. Teheran unter Bomben zu erleben, hat mir das Herz gebrochen. Dann habe ich bei den Protesten vor einigen Wochen die Verbrechen des Regimes mit eigenen Augen gesehen. Wir saßen da ohne Internet, ohne Verbindung zur Außenwelt, und wünschten uns nichts mehr, als dass die USA diese Führung beseitigen würde. Wir sagten einander: Sollen sie doch unsere Häuser bombardieren, aber wenigstens soll die Decke auch auf diese mörderischen Verbrecher des Regimes fallen.

Aber diese rohen, unmittelbaren Gefühle sind der Angst gewichen. Je näher der Krieg scheint, desto größer ist sie. Ich wache jede Nacht in Panik auf. Was will ich also von Amerika? Ich will nur dann eine militärische Intervention, wenn sie Chamenei und die anderen verhaften und vor Gericht stellen können. Ist das realistisch? Ich bezweifle es. Ich will eine Intervention, wenn dann die Gefangenen freikommen und die Hinrichtungen aufhören. Nur dann.

Nima, 41: „Es würde ein Zermürbungskrieg“

Selbst Trump hat mittlerweile wohl begriffen, dass man im Iran nicht vorgehen kann wie in Venezuela oder damals im Irak. Die Islamische Republik lässt sich nicht von außen stürzen. Um das zu erreichen, müssten wir Iraner in Massen auf die Straßen gehen, so wie 2009 – aber bewaffnet. Wir müssten die Polizeistationen stürmen, und dabei würden Millionen Menschen sterben. 

Sollten die USA jetzt angreifen, heißt es, dann zielen sie auf die Strom- und Wasserversorgung und die Ölanlagen. Es würde ein Zermürbungskrieg. Er würde nicht zwölf Tage dauern, wie im vergangenen Sommer, sondern Jahre, wie der Irak-Krieg. Trump geht es nicht darum, die Bevölkerung zu schützen. Und wenn jemand im Ausland darauf setzt, dass wir hier auf die Straße gehen, sobald ein ausländischer Angriff das Regime schwächt: Ihr täuscht euch. Hier wird niemand mehr rausgehen. Alle bleiben zu Hause und blicken nur noch auf Trump.

Hamed, 36: „Die Oberen fürchten den Krieg“

Ein Kindheitsfreund von mir ist der Sohn eines hochrangigen Militärs – also der Sohn eines Oligarchen. Denn wer in diesem Regime an der Spitze steht, der gehört zu einer reichen Clique. Als die jüngsten Proteste begannen, rief dieser Freund mich an und sagte: „Das Volk kann zur Hölle gehen. Ich bin bereit, sie alle zu erschießen.“  

Als die Proteste niedergeschossen waren, rief er wieder an und sagte, stolz wie ein Kind: „Hast du gesehen? Wir haben gewonnen!“ Das sind die Leute, mit denen wir es zu tun haben.

Aber ich hörte die Angst in den Worten dieses früheren Freundes. Ich denke, die Oberen fürchten den Krieg. Wenn es so weit ist, dann werden sie versuchen zu fliehen. Dieser Bekannte zum Beispiel bemüht sich längst um ein Visum für Großbritannien. Es wird so sein wie damals, als der Schah gestürzt wurde. Die Schlüsselfiguren werden sich absetzen und dann laufen die niederen Ränge über. Aber ob es so weit kommt? Es ist doch eine bizarre Lage: Alles hängt davon ab, was der Boss, Trump, mit uns vorhat.

Reza, 40, Eli, 37, und Farshad, 37: „Dieser Krieg darf nicht passieren“

Reza: Wenn es Krieg gibt, dann sind wir verloren. Denn Trump hat keinen Plan, was auf dieses Regime folgen soll. Wenn das Regime bleibt, sind wir auch verloren. Eigentlich ist die Frage nur: Gehen wir hier schnell zugrunde oder langsam?

Eli: Das stimmt nicht! Wir sterben hier gerade keinen langsamen Tod. Wir leben. Im Krieg aber sterben wir tausend Tode. Mit jeder Bombe, die hier im Sommer niederging, dachte ich: Jetzt sterbe ich. Und Trump hilft hier niemandem, er macht alle nur verrückt.

Farshad: Dieser Krieg darf nicht passieren. Erinnert euch an den letzten Sommer: Israel hat ziemlich präzise bombardiert, und das war schlimm genug. Wenn Amerika angreift, wird es viel zerstörerischer. Am Ende, ich wette es, macht Trump einen Deal mit jemandem, der hier die Macht übernehmen soll. Vielleicht ist es Reza Pahlavi (der Sohn des abgesetzten Schahs, Anm. d. Red.), vielleicht jemand aus dem Regime selbst.

Eli: Ich unterstütze Pahlavi nicht. Nicht für ihn bin ich auf die Straße gegangen, sondern weil ich die Situation hier satt habe. Aber sollte Pahlavi an die Macht kommen – besser als mit Chamenei wird es auf jeden Fall. 

Farshad: Pahlavi ist nichts als eine Marionette der USA und Israels! Wenn der es wird, dann plündern lediglich andere unsere Ressourcen.

Mohadese, 24: „Niemand wird in Frieden leben können“

Ich möchte wirklich nicht, dass es Krieg gibt – denn ich bin sicher, dass Irans Schicksal dasselbe sein wird wie das Afghanistans. Wir haben diesen Kreislauf schon einmal gesehen, als die USA kamen und Afghanistan angriffen, um es vor den Taliban zu retten. Aber nach zwanzig Jahren haben sie das Land wieder den Taliban übergeben und sind gegangen – und jetzt zahlen sie ihnen monatlich Geld. Als die USA damals angriffen, war ich gerade geboren worden.

Wenn die USA angreifen, dann um Irans Öl und Ressourcen auszubeuten und dann wieder abzuhauen. Im Iran wird dann ein langer, innerer Krieg ausbrechen, genau wie zwischen den Taliban und den USA. 

Alle militärischen Kräfte des Iran und die Basidsch der Islamischen Republik, (bewaffnete Freiwilligenmiliz, Anm. d. Red.) werden mit Bombenanschlägen und Selbstmordattentaten das Land auseinanderreißen und die iranischen Menschen töten, um wieder an die Macht zu kommen. Die Taliban-Kämpfer sind in den Bergen aufgewachsen und kannten die Städte nicht, aber die Basidsch im Iran kennen jede Straße und jede Gasse, und niemand in diesen Städten wird in Frieden leben können.

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