München – Sie suchten Liebe, er suchte Opfer – und fand sie auf „Tinder“.
Dominik S. (38) gab sich in der Dating-App als Millionär Daniel Braun aus. Angeblich mit Villen in der Schweiz und am Bodensee, mit Chauffeur und Yacht auf Mallorca.
Doch die Wahrheit ist weitaus weniger glamourös: Der vorbestrafte Zimmermann ist Stammgast im Knast und ein Häftling auf der Flucht.
Der Tinder-Schwindler steht seit Donnerstag in München wegen Betrugs vor dem Landgericht. Vorwurf: Er soll zwei Frauen über die Dating-App kennengelernt und von ihnen 185 000 Euro abgezockt haben.
„Geliebt habe ich keine, ich habe es ihnen vorgespielt“, sagte Dominik S. vor Gericht. Im Sommer lernte er u. a. die alleinerziehende Münchnerin Andrea K. (30, Name geändert) kennen. Ihr erzählte er, dass er ein Firmen-Erbe von knapp zwei Milliarden Euro erwarte.
Tinder-Betrüger gibt vor Gericht zu: „Geliebt habe ich keine der Frauen“
„Als wir uns das erste Mal trafen, erzählte er, dass er mit einem Fahrer aus seiner Villa aus Frankfurt anreisen würde“, sagte die Frau zu BILD. Sie konnte nicht ahnen, dass er in Wahrheit aus der Haft beim Freigang geflohen war.
„Als er bei mir war, hat er schnell gemerkt, dass Geld vorhanden ist“, erzählt die Versicherungsagentin. Teure Dachgeschoss-Wohnung in München-Schwabing, eingerichtet mit Designer-Möbeln, im Kleiderschrank Luxus-Handtaschen.
Der Tinder-Schwarm zog direkt bei ihr ein. „Schnell ging es darum, wie ich mein Geld anlege.“ Letztlich gab ihm die Frau 140 000 Euro – das meiste lag im Schuhkarton. „Er sagte, er legt es an, verdoppelt es.“ Da kannte die Frau ihn erst seit zwei Wochen.
Liebesbetrüger Dominik S. gab sich als Drogenbaron aus, der seinen eigenen Tod vortäuschen müsse
Irgendwann wurde er immer dreister. „Meinen Geburtstag wollten wir auf einer Yacht auf Mallorca feiern“, erinnert sie sich. Doch das sagte der angebliche Millionär kurzfristig ab, „weil angeblich seine Mutter an Krebs gestorben sei“.
Danach wurde es noch abenteuerlicher. S. erzählte der Frau, er sei Drogenbaron und müsse untertauchen und seinen Tod vortäuschen. „Spätestens da wusste ich, mein Geld ist weg.“
Nach einigen Monaten erhielt sie einen Anruf von einer anderen Frau. „Das war sein zweites Opfer.“ Letztlich wurde Andrea K. klar, dass sie sogar die zweite Liebschaft ihres „Millionärs“ mitfinanziert hatte.
„Ich mietete einen Sportwagen, mit dem er dann zur anderen Frau fuhr. Ich kaufte Parfums und Handtaschen, die er ihr geschenkt hat.“ Wenn er nicht bei Andrea K. in München war, war Dominik S. beim zweiten Opfer im Allgäu.
„Ich werde versuchen, das Geld zurückzuzahlen“, erklärte der Liebesbetrüger kleinlaut vor Gericht. Doch das Leben seiner Opfer hat er nachhaltig zerstört.
Andrea K.: „Mein Vermögen ist weg, ich musste umziehen, alle Wertsachen verkaufen. Aber die psychische Belastung ist noch schlimmer. Ich kann niemandem mehr vertrauen.“ Ihr Tinder-Profil hat sie für immer gelöscht. Dominik S. drohen nun mehrere Jahre Haft, Ende September soll ein Urteil fallen.