Köln (NRW) – Innerhalb weniger Tage verbreiteten mehrere Explosionen Angst und Schrecken in der Domstadt. Sie zerfetzten Scheiben, Möbel und verletzten einen Menschen. Steckt hinter den Explosionen die brutale Mocro-Mafia?

Am 16. September detonierte gegen 5.58 Uhr am Hohenzollernring, der berühmten Kölner Partymeile, ein Sprengsatz neben dem Eingang zur Diskothek „Vanity“. In dem Gebäude sind zudem Büros untergebracht. Eine Reinigungskraft erlitt ein Knalltrauma, kam ins Krankenhaus. Nur drei Tage später wurden erneut Anwohner aus dem Schlaf gerissen. Dieses Mal explodierte etwas vor dem Bekleidungsgeschäft „LFDY“. Es wurde weitgehend verwüstet – Teile der Innenverkleidung sind durch die Detonation herausgerissen, Möbel zerstört worden und Scheiben zersplittert.

Das Polizeipräsidium Köln ermittelt. Es werde unter anderem geprüft, ob die beiden Explosionen zueinander in Verbindung stehen, heißt es. Auch die Hintergründe sind noch unklar. In 12 Wochen kam es in ganz NRW zu 11 Explosionen.

Polizei spricht über Ermittlungsergebnisse

Am Donnerstag ab 14 Uhr lud die Polizei Köln zu einer Pressekonferenz ein, sprach zum ersten Mal den aktuellen Stand der Ermittlungen.

Direkt zu Beginn der Pressekonferenz stellt Michael Esser, Leitender Kriminaldirektor bei der Polizei Köln, klar: „Wir können heute noch keine Ermittlungserfolge präsentieren. (…) So viel kann ich aber sagen: Nach den beiden Sprengungen in der Kölner Innenstadt gibt es vielversprechende Hinweise, denen wir nachgehen“.

„Die Verbindungen der Taten zur Organisierten Kriminalität in den Niederlanden liegen auf der Hand. Sprengungen zur Warnung oder Schüsse auf Häuser sind dort bereits seit Längerem an der Tagesordnung“, erklärt Esser weiter.

Zur Wahrheit gehört aber auch: Die bereits bekannten und in Haft sitzenden Täter, aber auch die Opfer, die die Hintergründe kennen, haben einen guten Grund nicht offen mit der Polizei zu sprechen, sagt der erfahrene Kriminalermittler. Heißt: Diejenigen, denen die Schüsse und Sprengungen galten, sind in eigenem Interesse nicht bemüht, die Karten auf den Tisch zu legen. Das erschwert die Arbeit der Ermittler.

Tatverdächtiger nach Anschlag auf „Vanity“ nicht identifiziert

Der Tatverdächtige nach dem Anschlag auf den Club „Vanity“ ist bisher, trotz einer Fahndung mit Fotos, nicht identifiziert worden. Esser: „Das deutet darauf hin, dass er zur Tat nach Köln angereist ist.“

Die Polizei teilt die Geschehnisse der letzten Wochen in ganz Nordrhein-Westfalen in drei Tatkomplexe auf. Bei dem ersten Komplex handelt es sich um den Handel mit Drogen, vor allem mit Marihuana. Zwei Beschuldigte sitzen derzeit in Untersuchungshaft, berichtet Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer.

Der zweite Tatkomplex ist die Entführung von zwei Personen in eine Villa in Köln-Rodenkirchen. Drei Personen sitzen deshalb aktuell in Untersuchungshaft. Die Entführung soll im Zusammenhang mit einer Drogenlieferung stehen, die verschwand.

Der dritte Tatkomplex behandelt die Explosionen und Schüsse auf Gebäude in den letzten Wochen in ganz Nordrhein-Westfalen. Die beiden aktuellen Explosionen in Köln werden allerdings noch nicht in diesem Verfahren geführt. Ausreichende Verbindungen zu den anderen Explosionen sind bisher noch nicht nachgewiesen, erklären die Ermittler. Die Polizei geht aktuell davon aus, dass die neusten Explosionen in Köln nicht zu den übrigen Explosionen in NRW gehören.

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