Düstere Signale aus der norddeutschen Industrie. In Hamburg und Schleswig-Holstein sanken im ersten Halbjahr 2024 die Umsätze deutlich, so das Statistikamt Nord.
► Im Vergleich zum Vorjahres-Zeitraum gingen die Industrie-Erlöse in Schleswig-Holstein um 5,1 Prozent auf 18,2 Milliarden Euro zurück. Vor allem der Auslands-Umsatz sank um 12,8 Prozent, Geschäfte mit Abnehmern außerhalb der Eurozone implodierten um 20 Prozent. Inlands-Geschäfte legten leicht um 1,1 Prozent zu, können den Rückgang aber nicht auffangen.
Besonders schlecht dran im nördlichsten Bundesland: „sonstiger Fahrzeugbau“ mit minus 39,1 Prozent, Herstellung von Druckerzeugnissen (minus 34,6 %). Chemie zieht leicht an (plus 5 %).
► In Hamburg sanken die Erlöse um 4,4 Prozent auf 47 Milliarden Euro. Den größten Batzen Miese machte dabei die Mineralölverarbeitung mit minus neun Prozent auf 26 Milliarden Euro Umsatz. In der Hansestadt haben z.B. BP, Shell und Esso Betriebssitze.
Öl-Branche drückt auf die Bilanz
Statistikamt-Experte Gerhard Lenz zu BILD: „Beim Mineralöl-Sektor liegt es auch daran, dass die Markt-Preise für Öl und Benzin nach dem starken Anstieg infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine inzwischen wieder deutlich zurückgegangen sind. Das wirkt sich auf die Umsätze aus.“
Immerhin: Ohne Berücksichtigung der Öl-Branche wären Hamburgs Industrieumsätze im ersten Halbjahr 2024 sogar leicht um 1,5 Prozent gestiegen. Vorn ist hier der Maschinenbau mit plus 11,6 Prozent, negativ wirken sich Medizintechnik (minus 12,4 %) und die Nahrungsmittelbranche (minus 12,3 %) aus.
Industrie-Boss: „Müssen an die Ursachen ran!“
Andreas Pfannenberg, Vorstandschef Industrieverband Hamburg (IVH), sieht keinen Grund zur Entwarnung: „Aktuell ist das Geschäftsmodell Deutschlands in ernster Gefahr. Wir müssen an die Ursachen der Standortschwäche ran. Von der Bundesregierung erwarten wir eine Neuausrichtung ihres wirtschaftspolitischen Kompasses.“
Er fordert dauerhaft bezahlbare Energie, kluge Regulierung, vernünftige Steuern und weniger Bürokratie.