Beim jährlichen Korrespondentendinner des Weißen Hauses in Washington, D. C. sind Schüsse gefallen. US-Präsident Donald Trump und das Kabinett wurden in Sicherheit gebracht. Der mutmaßliche Schütze soll sich in der Lobby des Veranstaltungsortes aufgehalten haben. Der Mann wurde festgenommen. Zuvor hatte es Berichte gegeben, er sei tot.
Journalisten berichteten von mehreren lauten Schüssen in der Lobby des Hilton-Hotels, in dem das Dinner stattfand. Unmittelbar nach mehreren lauten Knallen wurden Trump und seine anwesenden Kabinettsmitglieder vom Secret Service aus dem Raum gebracht. Er und seine Frau Melania seien in Sicherheit, hieß es in einer Mitteilung des Secret Service, der für den Schutz des US-Präsidenten verantwortlich ist.
Trump schrieb unmittelbar nach dem Vorfall auf seiner Onlineplattform, er habe angeregt, die Veranstaltung fortzusetzen, die Sicherheitskräfte hätten aber verlangt, dass er das Gelände verlässt. Er werde dieser Anordnung Folge leisten. Ihm, Vizepräsident JD Vance, Melania Trump und allen
Kabinettsmitgliedern gehe es gut. Es war das erste Mal, dass Trump als Präsident an dem traditionellen Dinner der White House Correspondents Association (WHCA) teilgenommen hatte.
Auf einem Video, das Trump auf seinem Onlinedienst Truth Social veröffentlichte, ist zu sehen, wie ein Mann mit hoher Geschwindigkeit in einen Raum rennt, der der Eingangsbereich der Veranstaltung zu sein scheint. Es ist zu sehen, wie die anwesenden Sicherheitsbeamten sofort ihre Waffen ziehen.
Bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus kurz nach dem Vorfall sagte Trump, bei dem mutmaßlichen Täter handle es sich um einen Mann aus Kalifornien. Er veröffentlichte auf Truth Social auch ein Foto, das den Schützen zeigen soll. Der Mann werde nach Angaben der Sicherheitskräfte in einem Krankenhaus untersucht. Er sei jedoch nicht von Schüssen getroffen worden. Er habe eine Schrotflinte, eine Handfeuerwaffe und mehrere Messer bei sich gehabt. Nach Angaben des Interimspolizeichefs von Washington, Jeff Carroll, war der Angreifer ein Gast in dem Hotel, in dem das Dinner stattfand.
Verdächtiger wird am Montag einem Bundesgericht vorgeführt
Er gehe davon aus, dass er das Ziel des Angreifers gewesen sei, sagte Trump bei der Pressekonferenz. Aber der mutmaßliche Täter habe noch einen langen Weg bis zu ihm gehabt. Die Sicherheitskräfte hätten auch an den Tischen im Veranstaltungssaal Beamte in Zivil platziert, sagte Trump. Hunderte von Agenten verschiedener Strafverfolgungsbehörden seien mit dem Schutz der jährlichen Veranstaltung beauftragt gewesen, schrieb die Nachrichtenagentur Reuters.
Bei der Pressekonferenz lobte Trump die Ersthelfer, darunter auch den Secret Service. Er sprach auch über die Gefahren des Präsidentenamtes und merkte an, dass einige seiner Vorgänger ermordet worden seien. Im Hilton-Hotel hatte bereits 1981 ein Attentat auf den damaligen Präsidenten Ronald Reagan stattgefunden.
»Es ist kein besonders sicheres Gebäude«, sagte Trump über das Hotel, das etwa zehn Autominuten vom Weißen Haus entfernt liegt. Beim Einlass mussten laut der Nachrichtenagentur Reuters die rund 2.600 Gäste zwar Metalldetektoren passieren, um den Ballsaal im Untergeschoss zu betreten, benötigten aber für den Zutritt zum Hotel selbst, das ebenfalls für Hotelgäste geöffnet war, lediglich ein Ticket. Obwohl der Eingang des Hotels von Demonstranten umstellt war, die größtenteils gegen den Irankrieg protestierten, wurden die Gäste demnach zügig durchgewinkt.
Nach Angaben Trumps haben Ermittler bereits das Appartement des Angreifers in Kalifornien durchsucht. Er vermute, dass es sich um einen Einzeltäter handle, sagte Trump.
Der mutmaßliche Schütze soll am Montag einem Bundesgericht vorgeführt werden. US-Staatsanwältin Jeanine Pirro teilte mit, dass der Mann wegen der Verwendung einer Feuerwaffe während eines Gewaltverbrechens sowie wegen des Angriffs auf einen Bundesbeamten mit einer gefährlichen Waffe angeklagt werden solle.
Nach den Schüssen brach im Ballsaal des Hilton-Hotels Panik aus
Nachdem die Schüsse gefallen waren, warfen sich Hunderte der rund 2.600 anwesenden Gäste, die meisten von ihnen Pressevertreter, unter die Tische, während Agenten des Secret Service in Kampfausrüstung in den Raum stürmten. Auf einem Video von dem Dinner ist zu sehen, wie nach einem lauten Knall mehrere Sicherheitskräfte auf die Bühne eilen, auf der sich der US-Präsident befand. »Runter, runter!«-Rufe waren zu hören, bevor Trump umringt von Leibwächtern von der Bühne gebracht wurde. Auf einem weiteren Video ist zu sehen, wie Trump kurz zu Boden fällt, als er von den Sicherheitskräften von der Bühne gebracht wird. Laut Secret Service sind die Schüsse in der Nähe der Einlasskontrolle zum Veranstaltungsort gefallen.
Ein Beamter des Secret Service wurde laut Trump von einem Schuss getroffen. Die Kugel habe die schusssichere Weste des Beamten getroffen. Es gehe dem Mann gut, sagte Trump. Ob der Mann von dem Angreifer angeschossen wurde, ist nicht klar. Nach Angaben der Bürgermeisterin von Washington, Muriel Bowser, befindet sich der Beamte zur Behandlung in einem lokalen Krankenhaus. Auf wen genau es der Täter abgesehen hatte, ist noch nicht bekannt. Auch zu einem möglichen Motiv gibt es noch keine Angaben.
Der Moderator des US-Nachrichtensenders CNN, Wolf Blitzer, sagte, etwa sechs Schüsse seien in seiner unmittelbaren Nähe gefallen. Er sei daraufhin von Sicherheitskräften zu Boden gedrückt worden. Er habe gesehen, wie auch der Schütze überwältigt wurde. Der Täter habe sich im Inneren des gesicherten Bereichs der Veranstaltung befunden, und demnach die Einlasskontrolle bereits passiert, als er die Schüsse abgab.
Die außenpolitische Korrespondentin des Nachrichtensenders France 24, Kéthévane Gorjestani, beschrieb gegenüber der ZEIT den Moment, in dem Schüsse fielen, als chaotisch. Sie habe sich im Bereich des roten Teppichs befunden. Zuerst gingen sie und andere Anwesende davon aus, etwas sei zu Boden gefallen. Dann hörte sie Schreie: »Schüsse abgefeuert, Schüsse abgefeuert!« Der Secret Service habe sie angewiesen, sich auf den Boden zu legen und nicht aufzustehen. Sie habe einen Beamten sagen hören, dass sich ein Schütze in Gewahrsam befinde.
Bei der Pressekonferenz im Weißen Haus dankte Trump auch der Presse für die »verantwortungsvolle Berichterstattung« über den Vorfall. In der Vergangenheit hatte Trump immer wieder Vertreter der Presse beschimpft, verunglimpft und als »Feinde des Volkes« bezeichnet. Der Präsident nutzte die Gelegenheit, um Werbung für den von ihm propagierten Ballsaal auf dem Gelände des Weißen Hauses zu machen. Der Vorfall habe gezeigt, dass der Ballsaal aus Sicherheitsgründen notwendig sei, sagte Trump.
Trump war in der Vergangenheit schon öfter Ziel von Attentatsversuchen
Trump war im Juli 2024 während des Wahlkampfes für seine zweite Amtszeit knapp einem Attentat entgangen, als ihn ein 20 Jahre alter Schütze im Bundesstaat Pennsylvania äußerst knapp verfehlte. Die Kugel verletzte Trump damals nur leicht am Ohr. Ein Zuschauer starb, der Schütze wurde vom Secret Service erschossen.
Mitte September 2024 ereignete sich ein weiterer Zwischenfall, als sich am Rand von Trumps Golfplatz ein Mann mit einem Gewehr im Gebüsch versteckte. Der 58-Jährige wurde festgenommen, er wurde wegen versuchten Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.
Anfang April teilte das US-Justizministerium mit, dass ein Mann wegen Todesdrohungen gegen Trump festgenommen worden sei. Der 45-Jährige hatte demnach zwischen Mai und Juli 2025 insgesamt acht Botschaften mit Drohungen gegen den republikanischen Präsidenten auf Facebook veröffentlicht.
