München – In Bayerns Landeshauptstadt beginnt die fünfte Jahreszeit. Der ganze Freistaat bereitet sich schon fieberhaft auf die bevorstehende Wiesn (21. September bis 6. Oktober) vor. Und es ist die ganze Welt zu Gast: Wiesn-Fans reisen in München aus ganz Europa, aus Australien, Neuseeland oder sogar Japan an.
Doch o´zapft wird nicht nur auf der Theresienwiese unter der Bavaria …
Weltweit gibt es inzwischen etliche Kopien vom Oktoberfest. Auch in den USA, in Brasilien oder etwa Asien wollen Bierzelt-Enthusiasten mit der Maß anstoßen. Ein Prosit der Gemütlichkeit!
Aber die Plagiate vom echten Oktoberfest schunkeln sich oft etwas am Original vorbei – für manchen Wiesn-Puristen fast so schlimm wie warmes Bier.
Kanadier kopieren Münchens „Engel Aloisius“
► In Kanada wird ab Ende September im Ort Kitchener-Waterloo (Provinz Ontario) in 19 Festhallen gefeiert. Rund 700 000 Besucher werden jedes Jahr angelockt. Doch schon die Zelte tragen kuriose Namen wie „Heidelberg Haus“, „Schwaben Club“ und „Rüdesheimer Garten“. Alles andere als urbayerisch. Das Maskottchen ist „Onkel Hans“. Ein dicklicher Schnauzbartträger in Lederhosen. Er ist tatsächlich nur eine Kopie des Originals – von „Engel Aloisius“.
Der schwebt nämlich jedes Jahr im Hofbräu-Zelt über den Köpfen der Wiesn-Besucher. Aloisius ist eine Figur des Schriftstellers Ludwig Thoma. Die satirische Kurzgeschichte „Der Münchner im Himmel“ von 1911 handelt vom Dienstboten Alois, der in den Himmel hinauffährt.
Weil es dort aber kein Bier gibt, flucht und grantelt „Engel Aloisius“ so lange, bis er als himmlischer Gesandter zurück nach Bayern geschickt wird. Doch anstatt der Staatsregierung göttliche Ratschläge zu überbringen, landet er im legendären Hofbräuhaus – und bestellt ein Bier nach dem anderen.
Zur kanadischen Kopie „Onkel Hans“ würde „Aloisius“ wohl nur eines sagen: „Was bist Du denn für ein Hanswurscht?!“
Amis stecken Dackel in Hot-Dog-Kostüme
► In den USA gibt es weit über 100 Versionen der Wiesn, fast in jedem Bundesstaat wird inzwischen o´zapft. Das kurioseste Oktoberfest der USA findet sich in Cincinnati (Ohio). Das „Oktoberfest Zinzinnati“ wartet mit einem bizarren Brauch auf.
Einem Dackel-Rennen, bei dem Hunde wie ein Hot Dog verkleidet mit umgeschnallten Brötchenhälften an den Start gehen. Ein Sakrileg für den Münchner. Denn hier sind Dackel oder „Zamperl“, wie die Bayern die kompakten Jagdhunde nennen, ein absolutes Heiligtum.
Oktoberfest in China: Gäste trinken Bier unter Wasser
► Auch China lässt sich beim Oktoberfest nicht lumpen: Auf den ersten Blick gibt es Ähnlichkeit zwischen der Wiesn und dem „Qingdao International Beer Festival“. Drei bis vier Millionen Besucher kommen jedes Jahr, es gibt ein Riesenrad und Bier aus Bayern. Doch die Unterschiede sind eklatant.
So gibt’s auf dem chinesischen Volksfest keine Hendl der Haxn, sondern die asiatische Variante: knusprige Hühnerbeine. Trinkkämpfe gehören ebenfalls zum Fest: In einem Aquarium trinken die Chinesen Bier um die Wetter – unter Wasser!
In Brasilien kostet das Bier nur die Hälfte
► In Brasilien wird nicht nur Karneval gefeiert, auch hier gibt es eine ganz eigene Version der Wiesn. Das Oktoberfest Blumenau. Seit über 40 Jahren hat die Großveranstaltung in dem von deutschen Einwanderern gegründeten Städtchen Tradition, bis zu 700 000 Gäste kommen jedes Jahr zu dem Ereignis. In den Maßkrügen gibt es Bier aus München – etwa von der Brauerei Spaten.
Doch von den Bierpreisen können die Münchner nur träumen. Während die Maß auf der Original-Wiesn inzwischen zum Teil über 15 Euro kostet, fallen auf dem Oktoberfest in Brasilien umgerechnet lediglich rund 7,50 Euro an.
Bei diesen Tiefpreisen würde sogar „Engel Aloisius“ über einen Abstecher zur Wiesn-Kopie nachdenken.