Der Konflikt zwischen Israel und der schiitischen Hisbollah-Miliz spitzt sich weiter zu: Bei mutmaßlich koordinierten Explosionen vieler tragbarer Funkempfänger sind im Libanon rund neun Menschen getötet und 2750 verletzt worden, offenbar hauptsächlich Hisbollah-Terroristen.

In Videos von Überwachungskameras im Libanon war zu sehen, wie es etwa in Supermärkten zu kleineren Explosionen kam. Teils lagen Menschen danach am Boden. Die Detonationen ereigneten sich in den südlichen Vororten Beiruts, wo die Hisbollah besonders stark ist, sowie im Süden des Landes.

Im Raum steht die Frage, ob Israel die Geräte als Angriff auf Hisbollah-Kämpfer womöglich gezielt zur Explosion gebracht haben könnte. Darüber lagen zunächst keine gesicherten Informationen vor.

Laut dem „Wall Street Journal“ stammten die Pager aus einer neuen Lieferung, die die Hisbollah erst in den vergangenen Tagen erhalten hatte. Ein Hisbollah-Vertreter spekulierte, dass eine Schadsoftware die Geräte zur Erhitzung und Explosion gebracht haben könnte. Einige Mitglieder der Terror-Gruppe hätten gespürt, wie die Geräte heiß wurden und sie noch kurz vor der Detonation entsorgt.

Es ist wahrscheinlich, dass an den Geräten schon vorher manipuliert wurde

Theoretisch ist denkbar, durch Anpassungen in der Elektronik und einem sogenannten ,Zero Day Exploit‘ die Akkus falsch zum Einsatz zu bringen, sodass es zu einer raschen Verpuffung kommen kann. Der Begriff ,Zero Day Exploit‘ beschreibt das Ausnutzen einer bisher unbekannten Schwachstelle, bevor sie vom Hersteller behoben werden kann (der dafür 0 Tage Zeit hatte – daher der Name). Zero Day Exploits werden heutzutage von Nachrichtendiensten gesucht – man kann sie auf Darknet-Foren von Hackern sogar kaufen. Dafür werden manchmal Millionensummen gezahlt.

ABER: Auf Fotos der explodierten Geräte lässt sich erkennen, um welches Modell es sich handelt. Der Hersteller gibt an, dass eine wechselbare Lithium-Batterie im Gerät steckt – bei Überhitzung fangen solche Geräte meist an zu brennen. Explosionen sind zwar möglich, aber nicht garantiert. Die Videoaufnahmen zeigen jedoch allesamt plötzliche Explosionen, und zwar sehr heftige. Es ist wahrscheinlicher, dass an den Geräten schon manipuliert wurde, BEVOR die Terroristen sie in die Hände bekamen.

Da es sich um einen Wechselakku handelt, wäre ein Weg: die Hälfte des Batterieplatzes mit kleinen, aber wirkungsvollen Mengen an Sprengstoff zu versehen. So fällt den Nutzern höchstens auf, dass das Gerät schon nach zwei Monaten und nicht erst nach 80 Tagen wieder aufgeladen werden muss. Mit anderen Worten: Die meisten werden es gar nicht bemerken, weil sie das tägliche Laden von ihren Handys gewohnt sind.

Offenbar explodierten die manipulierten Pager in den Händen der Terroristen oder sogar in ihren Hosentaschen, wie manche Aufnahmen nahelegen.