Prag – Wann wird Prag den Moldau-Stöpsel ziehen?

In Deutschland sinken allmählich die Pegel der Elbe. Aber nur, weil Tschechien der Moldau einen Riegel vorgeschoben hat, den Fluss aus Mähren anstaut und in den Talsperren Millionen Kubikmeter Hochwasser sammelt. Auch in Prag steigen die Pegel daher nur moderat an.

Prager verhindert die Elbe-Katastrophe

Verantwortlich dafür ist Tschechiens Flutmanager Dr. Petr Kubala (60) – er steuert die Lage an der Moldau und ihren Zuflüssen und reguliert den Abfluss in die Elbe.

Kubala ist zu verdanken, dass Deutschland und die Elbegebiete im Norden Tschechiens nicht in den Fluten versinken und das Wasser der Elbe nicht um mehrere Meter steigt.

Tschechien ließ früh das Wasser ab

Kubala zu BILD: „Wir haben an den Moldau-Kaskaden rechtzeitig vor dem Starkregen das Wasser abgelassen. Das sind acht Talsperren entlang der Moldau.“

Dabei wollte Deutschland das Ablassen aufgrund des Brückeneinsturzes von Dresden stark drosseln. Doch Prag sagte: „Ne!“

General-Manager: „Wir brauchten den Stauraum, denn die Prognosen sahen nicht gut aus.“

Und er hatte recht behalten. Die Talsperren sind heute voll mit Wasser aus Mähren, was die zahlreichen Zuflüsse in die Moldau brachten. Kubala: „Besonders wichtig für das Flutmanagement sind für uns Lipno und Orlik.“

Moldau-Talsperren schlucken Hochwasser

Lipno kennen viele Deutsche als Camping-Paradies. Der Speicherraum der Talsperre an der österreichischen Grenze umfasst 309,5 Mio. Kubikmeter – 104 Millionen Kubikmeter Wasser wurden rechtzeitig abgelassen.

Orlik fasst sogar noch mehr – rund 716 Millionen Kubikmeter Moldau-Wasser. Dort wurden 220 Millionen Kubikmeter abgelassen.

Da sich das Wetter stabilisiert hat, kein Starkregen mehr erwartet wird, können die Talsperren das Moldau-Hochwasser erst mal auch weiter halten.

Schleusen öffnen sich, wenn Elbe sinkt

Kubala verspricht gegenüber BILD: „Wir geben derzeit nur ein Minimum an Moldau-Wasser an die Elbe ab.“

Erst wenn der Elbe-Pegel sinkt, fließt mehr Moldau-Wasser die Elbe hinunter nach Deutschland. „In den nächsten Tagen geht das Hochwasser zurück“, blickt Kubala zuversichtlich auf die Prognosen.

Heißt im Klartext: Nur dem Flutmanager und seinem Team haben wir es zu verdanken, dass der Elbe-Pegel in Dresden sinkt. Kubala erinnert an das Hochwasser-Drama 2002: „Da war die Talsperre Orlik voll, da konnten wir nichts machen.“

Dresdner Brücken-Probleme im Blick

Der Flutmanager aus Prag versichert: „Auch die eingestürzte Carolabrücke in Dresden haben wir im Hinterkopf.“

So dürfte das Hochwasser im September 2024 entlang der Moldau und Elbe schon bald Geschichte sein.