Evelyna Koremba (37) sitzt auf einem Plastikstuhl vor ihrem Gemischtwarenladen. Um sie herum stapeln sich die verdreckten Waren – oder das, was von ihnen übrig geblieben ist. Vor sechzig Jahren hatte ihr Großvater das kleine Geschäft mitten in der Altstadt von Klodzko in Niederschlesien (26 000 Einwohner) eröffnet. Jetzt ist alles weg. Die junge Frau kämpft mit den Tränen: „Wir stehen vor dem Nichts. Die Flut hat uns alles genommen.“

Nach tagelangen, heftigen Regenfällen kam die Flut. Nach dem Dammbruch des Staudammes in Stronie Slaskie stieg der Wasserstand des Flusses Nysa in Minutenschnelle. In der Nacht zum Sonntag schwoll die Nysa auf 7,72 Meter an, mehr als fünf Meter höher als Normal.

Drei Menschen kamen in den Fluten ums Leben

Die über zwei Meter hohe Flutwelle fegte durch die historische Altstadt, zerstörte Restaurants, Geschäfte, auch der Innenraum der Franziskanerkirche (1631 erbaut) wurde durch die Flutwelle stark beschädigt. Laut polnischer Behörde starben in der Nacht drei Menschen in den Fluten, viele gelten noch immer als vermisst.

Dass es nicht zu mehr Opfern gekommen ist, gleicht einem Wunder. In der Nacht zum Sonntag gab es landesweiten Alarm.

„Wir sind hoch zum Auto und abgehauen“

„Wir wurden über Telefon gewarnt, dass wir die Innenstadt sofort verlassen sollen“, beschreibt die Unternehmensberaterin Karolina (33) die Katastrophennacht. „Es regnete in Strömen und wir sahen, wie der Fluss in sekundenschnelle anstieg. Dann bin ich mit meinen Freundinnen den Berg hoch zum Auto und wir sind abgehauen. Wir haben wirklich Glück gehabt.“

„Wir beten, dass alles gut wird“

Inzwischen ist das Hochwasser zurückgegangen. Die Höhe der Flutwelle verlagerte sich auf tiefergelegenen Regionen, zurück blieb die Verwüstung. Jetzt beseitigen die Bewohner und Geschäftsinhaber der Altstadt die Flutschäden.

Evelyna Koremba zu BILD: „Ich habe Angst, dass die Welle wiederkommt, wir wissen es einfach nicht. Wir können jetzt nur noch aufräumen und beten, dass alles gut wird. Das Geschäft ist unser Leben, wir werden es nicht aufgeben.“

„Mama, ich will helfen“

Vor der Franziskanerkirche in der Altstadt beseitigen Soldaten und Bürger von Klodzko den Aufgang zum Portal vom Schlamm. Mutter Anastasia ist mit Tochter Lila (3) aus der Oberstadt gekommen.

„Wir wollen helfen, sagt Anastasia. Lila hat die schlimmen Bilder im Fernsehen gesehen und gesagt. ,Mama, ich will helfen‘“.