Seit Mitternacht wird an allen deutschen Grenzen Ernst gemacht: Wie Bundesinnenministerin Nancy Faeser (54, SPD) entschieden hat, wird hier ab sofort kontrolliert, um irreguläre Migration zurückzudrängen, Schleuser zu stoppen, Kriminellen „das Handwerk“ zu legen und „Islamisten frühzeitig erkennen und aufhalten“ zu können.

An Autobahnen, Bahnhöfen und in Zügen sollen die Beamten bis 30 Kilometer ins Landesinnere hinein kontrollieren. Doch die Bundespolizei hatte bereits angedeutet, nicht lückenlos und dauerhaft diese Aufgaben erfüllen zu können.

BILD ist vor Ort: So lief der erste Kontrolltag an den Grenzen zu den Niederlanden und Dänemark.

Polizisten mit Maschinenpistolen an der niederländischen Grenze

▶︎ 8.34 Uhr, Rastplatz „Tomm Heide“, knapp sieben Kilometer hinter der niederländischen Grenze. Fünf Mannschaftswagen der Bundespolizei St. Augustin (Nordrhein-Westfalen) fahren von der A40 auf den Parkplatz. Eine halbe Stunde später stehen die Beamten in gelben Polizei-Westen bereit. Einer hält eine Maschinenpistole in der Hand, ein anderer eine rot-weiße Kelle.

▶︎ Um 9.22 Uhr fährt ein Streifenwagen vor, ihm folgt ein weißer, verrosteter Mercedes-Transporter. Eine Türdichtung schleift über den Asphalt. Zwei Männer mit Kappen und Vollbart müssen ihre Ausweise zeigen, Polizisten öffnen die Schiebetür an der Seite. Bis auf ein paar Bretter ist der Wagen leer. Gegen die Insassen aus Belgien liegt nichts vor, für sie geht die Reise weiter.

▶︎ 10.23 Uhr: In einem dunklen Audi A3 sitzen fünf Araber, einer steigt barfuß aus. Der Kleinwagen aus dem Ruhrgebiet wird umstellt, die Männer abgetastet, das Auto durchsucht. Die Überprüfung zieht sich hin, es soll Probleme mit den Papieren geben.

Einer der Männer kommt herüber, man möchte nicht gefilmt werden. Schließlich darf das Quintett weiterfahren, der Wagen springt nicht an, muss angeschoben werden.

„Gut, dass endlich gehandelt wird“

▶︎ 11.21 Uhr: Neben der Kontrollstelle hält Sabine Siemes (60) aus Krefeld. Mit Mann und Wohnwagen kommt sie gerade aus dem Urlaub zurück. „Die Kontrollen finde ich super“, sagt sie, „ich arbeite selbst in der Flüchtlingshilfe. Aber es kann nicht sein, dass Illegale unsere Hilfsbereitschaft ausnutzen. Wir haben ja zuletzt gesehen, dass auch Menschen kommen, um hier Anschläge zu verüben. Gut, dass endlich gehandelt wird.“

▶︎ 12.28 Uhr: Dem Blaulicht des Zivilwagens folgt ein Flixbus, der in den Niederlanden gestartet ist – Zwangsstopp auf dem Weg nach Dresden. Polizisten durchsuchen den Bus, kontrollieren einige Papiere. Nach elf Minuten geht‘s weiter.

Erste Zurückweisungen an der Grenze

▶︎ 12.56 Uhr: Auch an der A44 bei Aachen wird schon seit Stunden kontrolliert. Stefanie Gleixner (33), Sprecherin der Bundespolizei: „Wir haben schon vereinzelt Menschen angetroffen, die die Einreisevoraussetzungen nicht erfüllt haben. Sie wurden direkt zurückgeschickt.“

Diese Möglichkeit ist durch die Faeser-Anordnung jetzt gegeben – vorher ging das viel schleppender. Die Maßnahmen, so die Sprecherin, gingen in den nächsten Monaten weiter – auch, wenn die Kontrollstellen nicht immer so sichtbar sind wie am heutigen Montag. Gleixner: „Nur, weil wir nicht an jeder Grenze zu sehen sind, heißt es nicht, dass wir nicht da sind …“

So sieht‘s an der dänischen Grenze aus

Am Grenzübergang Böglum in Dänemark an der B5 stehen seit dem Morgen fünf Bundespolizisten und zwei Streifenwagen. Stichprobenartig werden Autos kontrolliert – etwa jedes fünfte bis zehnte Fahrzeug wird rausgezogen.

▶︎ Bundespolizei-Sprecher Wulf Winterhoff (57) zu BILD: „Nancy Faeser nennt das ,smarte Kontrollen‘. Wir werden präsenter sein und setzen grenzpolizeiliche Erfahrungen ein, wen wir rausziehen und wen nicht. Grenzhäuschen oder Schlagbäume wie früher sind nicht geplant.“

Die Polizisten achteten auf bestimmte Autotypen, Kennzeichen oder Fahrweisen. Wer plötzlich schlagartig verlangsamt, ist auffällig – Kontrolle!

Beamte achten auf Autotypen, Kennzeichen und Fahrweisen

▶︎ 10.17 Uhr: Ein Laster wird angehalten: Lkw-Fahrer Stanislaw (34) steigt aus: „Ich weiß, was in Europa mit den Migranten abgeht. Die Kontrollen sind wichtig. Europa muss sicher sein.“

Ein Beamter zu BILD: „Eine Ansage, wie viele wir rausziehen sollen, gibt es nicht. Wir kennen das schon von der EM.“ Und weiter: „Zurückgewiesen wird, wer keinen Pass und keinen Schengen-wirksamen Aufenthaltstitel hat.“

Bei Abweisung kein direkter Weg zurück nach Dänemark

Jedoch: „Zunächst erfolgt erkennungsdienstliches Behandeln auf einer der umliegenden Wachen. Dann geht die Person wieder zurück.“ Einen direkten U-Turn zurück nach Dänemark gibt es nicht – die Person wird erst gecheckt. „Es sei denn, einer ruft nach Asyl – das gilt auch weiterhin! Dann gibt’s ein Bahnticket. Und eine Aufforderung, sich in der Erstaufnahme zu melden.“

Achmed (51) wird um 12.55 Uhr im Rechtslenker-Mercedes an der deutsch-dänischen Grenze in Harrislee angehalten: „Stört mich nicht, ich bin ja sauber! Die Polizisten sind freundlich. Außer man macht was falsch – das ist normal. Ich fahre zwei- bis dreimal die Woche über die Grenze. Ich fühle mich nicht diskriminiert oder sowas, bin schon seit 25 Jahren in Deutschland und seit 2008 eingebürgert.“