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Russischer Regimekritiker Udalzow zu sechs Jahren Haft verurteilt

Ein Gericht in Moskau hat den linksgerichteten russischen Regimekritiker Sergej Udalzow zu sechs Jahren Haft verurteilt. Udalzow wird „Rechtfertigung von Terrorismus“ zur Last
gelegt, berichteten örtliche Medien am Donnerstag. Der 48-Jährige
soll seine Strafe demnach in einer Hochsicherheitsstrafkolonie verbüßen.

Udalzow, der seit Januar 2024 in
Untersuchungshaft sitzt, will gegen das Urteil Berufung einlegen. Er
habe zudem angekündigt, in den Hungerstreik zu treten, berichtete die
Nachrichtenagentur Interfax.

Seit Beginn des Angriffskriegs in der Ukraine im
Jahr 2022 geht Moskau vehement gegen Oppositionelle vor und schränkt
die freie Meinungsäußerung ein. Menschen, die nicht der offiziellen
Linie folgen, werfen die Behörden häufig „Rechtfertigung von
Terrorismus“ vor. Die genauen Vorwürfe gegen Udalzow sind geheim,
aber er hatte bei einer früheren Gerichtsverhandlung gesagt, ihm werde
die Unterstützung marxistischer Aktivisten im Internet vorgeworfen. Udalzow hatte öffentlich gesagt, er unterstütze die russische Offensive in der Ukraine und erklärt, er lehne Putin
aus patriotischen Gründen ab. 

Udalzow war einer der Oppositionellen, die bei
Massenprotesten gegen die Wiederwahl von Präsident Wladimir Putin im
Jahr 2012 das Wort ergriffen hatten. 2014 wurde er wegen der
Organisation von „Massenaufständen“ zu drei Jahren Haft verurteilt. Im August 2017 war er aus dem Straflager bei Tambow entlassen worden.