Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bewertet die laufenden Gespräche von Vertretern seines Landes und der USA in Genf als positiv. „Es gibt Signale, dass das Team von Präsident Trump uns zuhört“, sagte Selenskyj am Sonntag in seiner allabendlichen Videoansprache. Die Verhandlungen in der Schweiz über einen Friedensplan würden fortgesetzt. „Die Teams werden praktisch bis in die Nacht hinein arbeiten, und es wird weitere Berichte geben“, sagte Selenskyj.
Vertreter der USA und der Ukraine sprechen nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters über einen möglichen Besuch Selenskyjs in Washington noch in dieser Woche. Demnach solle der Besuch dazu dienen, mit US-Präsident Donald Trump die heikelsten Punkte des Friedensplans zu besprechen. Ein Termin stehe demnach aber noch nicht fest.
Nach Angaben von US-Außenminister Marco Rubio gibt es bei den Verhandlungen in Genf „enorme Fortschritte“. Rubio zeigte sich zuversichtlich, dass eine überarbeitete Version des US-Friedensplans entstehe. Ein Grundlagendokument sei erstellt worden, und strittige Punkte seien eingegrenzt worden, sagte der US-Außenminister nach Gesprächen mit Vertretern der Ukraine. Er sei daher „sehr optimistisch“, dass „sehr bald“ eine Einigung erzielt werden könne.
Merz hofft auf „neue Dynamik“
Zu den offenen Fragen zählen laut Rubio die künftige Rolle von EU und Nato sowie Sicherheitsgarantien. Jedoch sei keine der ungeklärten Fragen unüberwindbar, sagte der US-Außenminister. Das Ergebnis müsse nun der russischen Seite vorgelegt werden. Man wolle idealerweise bis Donnerstag zu einem Abschluss kommen.
Rubio hatte bereits zuvor Änderungen am US-Friedensplan zur Beendigung des Ukrainekriegs angekündigt. Nach Angaben des Chefs des ukrainischen Sicherheitsrats, Rustem Umerow, wurden in einer überarbeiteten Version des Plans einige „der wichtigsten Prioritäten der Ukraine“ inzwischen berücksichtigt.
Bundeskanzler Friedrich Merz sagte im ZDF, er hoffe, dass „eine neue Dynamik in diese Gespräche kommt und dass es dann zum Ende der Woche wenigstens einen kleinen Schritt hin zu einem Waffenstillstand gibt und dass dann auch Gespräche geführt werden können“. Er fügte hinzu: „Wir formulieren jetzt im Augenblick eine Verhandlungsposition. Und ich hoffe, dass sie so ausfällt, dass sie nicht nur auf der europäischen Seite mit der Ukraine und Amerika zusammen abgestimmt ist, sondern dass sie vor allem die russische Seite dazu bringt, jetzt an den Verhandlungstisch zu kommen.“
Deutschland, Frankreich und Großbritannien hatten zuvor einen gemeinsamen Gegenvorschlag zu einem von den USA vorgelegten Friedensplan präsentiert. Demnach soll die ukrainische Armee in Friedenszeiten auf 800.000 Soldaten begrenzt werden und nicht pauschal auf 600.000, wie es der US-Plan vorsieht. Zudem sollen Verhandlungen über einen Gebietsaustausch an der derzeitigen militärischen Kontaktlinie beginnen. Damit wird die US-Forderung zurückgewiesen, bestimmte Gebiete als „faktisch russisch“ anzuerkennen.
