München – Was ist der Unterschied zwischen einem echten Münchner und einem Bierzelt-Touristen aus China, Japan oder den USA?

Der Münchner amüsiert sich über die Billig-Dirndl und Plastik-Lederhosen der anderen – und die Gäste freuen sich, dass die Einheimischen alle so nett in ihre Richtung lächeln.

Wer sich selbst nicht zur Lachnummer machen will, sollte diese zehn Regeln für den Besuch beim Oktoberfest (21. September – 6. Oktober 2024) unbedingt kennen! Im schlimmsten Fall droht sonst sogar ein Rauswurf!

1. Jedes Outfit ist besser als die falsche Tracht

Eines vorweg: Die „Schießbuden-Figuren“, wie der Bayer sie nennt, die schnell noch ihr Outfit bei den Straßenhändlern oder PopUp-Shops auf dem Weg zur Münchner Theresienwiese kaufen, gehören seit vielen Jahren zum Bild auf dem Oktoberfest in München. Niemals würde ein Einheimischer einen Gast deshalb ansprechen und ihn brüskieren. Doch das sogenannte Frotzeln und Derblecken (lustig machen über jemanden) gehört zum National-Sport der Bayern untereinander.

Die billigen Dirndl an den Verkaufsständen zwischen S-Bahn und Wiesn haben für asiatische Käufer zumindest einen Vorteil: Sie unterstützen damit ihre heimische Wirtschaft. Die Dinger werden oft in Fernost produziert und haben mit bayerischer Kultur herzlich wenig zu tun.

▶︎ Doch: Es gibt kein Gesetz, dass man nur kostümiert aufs Oktoberfest darf. Alltagskleidung ist völlig in Ordnung, genau so gingen die Münchner nämlich vor 100 Jahren auch zur Wiesn.

▶︎ Wer dennoch stylisch kommen möchte, sollte sich im Fachgeschäft vor Ort beraten lassen. Kurze Lederhosen nie ohne die seitlich geschnürten Haferlschuhe, bei Leder-Bundhosen immer die Strümpfe hochgezogen (nie geschoppt)!

2. Unbedingt feste Schuhe tragen

Grundsätzlich darf natürlich jeder tragen, was ihm gefällt. Absolutes Tabu sind allerdings Flip-Flops und Ballerinas. Das hat einen ernsten Hintergrund.

Dr. Ulrich Hölzenbein (53) war fast zehn Jahre lang Chef der Sanitätsstation des Roten Kreuzes auf dem Oktoberfest. Der Internist zu BILD: „Schnittwunden an den Füßen sind die häufigsten Verletzungen, mit denen die Leute zu uns kommen. Man unterschätzt die gefährlichen Scherben kaputter Flaschen und Bierkrüge auf dem Boden.“

3. Es heißt nicht „das“, sondern „die Maß“

Die wichtigsten Begriffe im Bierzelt sollten Sie auch beschwipst fehlerfrei aussprechen können: Es heißt …

▶︎ die „Maß“ (ein Maßkrug voll Bier, eine Maß kostet bis zu 15,30 Euro)

▶︎ die „Brezn“ (nicht „Brezel“)

▶︎ das „Hendl“, das „Giggerl“ oder der „Gockl“ (Brathähnchen, Wiesn-Wirte setzen dabei auf Bio)

▶︎ die „Lederne“ (Lederhose, auf keinen Fall „Sepplhose“)

▶︎ „Oans, zwoa – gsuffa!“ (Trinkspruch: „Eins, zwei, drei – Saufen“)

4. Der beste Platz im Oktoberfest-Zelt ist nie vorne

Viele machen den Fehler, dass sie zuerst vorn bei der Kapelle nach einem Platz suchen. Zwei Gründe, dies nicht zu tun: Ein Wiesn-Flirt ist dort bei der Lautstärke so gut wie unmöglich. Und: Wer viel trinkt, muss öfter aufs Klo. Die Toiletten sind meist am anderen Ende; und wer zu lange braucht, wieder zurückzukommen, dessen Platz ist dann oft weg.

▶︎ Die Formel für den besten Platz: Sicht-Achse zur Band plus Weg zum Klo – geteilt durch zwo.

5. Der beste Platz auf der Bierbank ist in der Mitte

„In München steht ein Hofbräuhaus …“ – und schon steht ganz München auf den Bänken. Der sicherste Platz ist daher immer in der Mitte der Bank, der gefährlichste an den Seiten. Wenn die Person am anderen Ende plötzlich aufsteht, wird die Bierbank zur Schleuder!

6. Jacken gehören ins Biertisch-Säckchen

Das Wetter in Bayern ins derzeit regnerisch. Doch die Jacke wird im Bierzelt schnell überflüssig. Die glatte Bierbank ist der ungeeignetste Ort für überflüssige Kleidung, die danach so aussieht, als hätten Sie den Boden damit aufgewischt.

Es gibt für ein paar Euro kleine Netze, die man unter den Biertisch spannt. Dort kann man seine Jacken (vor allem nach einem Regen) sicher deponieren.

7. Nennen Sie die Wiesn-Bedienung beim Namen

Jetzt ist die Bedienung schon zum zweiten Mal vorbeigegangen, ohne eine frische Maß dazulassen. Zefix! („jammerschade“), wie bekommt man bloß ihre Aufmerksamkeit?

Kellner und Kellnerinnen tragen meist eine Klammer mit ihrem Namen. Merken Sie sich den Namen Ihrer Bedienung. Da diese meist nur zur Wiesn-Zeit bedienen und das übrige Jahr in anderen Berufen arbeiten, reagieren sie meist noch, wenn man sie mit Namen anspricht.

8. Vorsicht mit dem Bier auf dem Oktoberfest

Mit seinem Alkoholgehalt von 6 Prozent ist das Bier auf der Wiesn stärker als Sie es vielleicht aus der Kneipe gewohnt sind.

Dr. Hölzenbein rät: „Unbedingt eine Grundlage schaffen, ein ordentliches Frühstück etwa. Kein fettes Essen, das verlangsamt zwar die Resorption von Alkohol, aber am Ende wird einem vielleicht noch schlecht.“ Eine Banane gleicht Mineralstoffe wie u.a. Calcium, Kalium aus, ein Liter Wasser nach jeder Maß verjagt den Kater.

9. Grippe-Impfung auffrischen

Jetzt sind wir beim 9. Gebot schon beim Wetter: Die nassen Herbsttage sind tückisch. Berühmt ist der Wiesn-Katarrh (Schleimhaut-Entzündung).

Wo viele auf engstem Raum die größte Party des Jahres feiern, tanzen auch Bazillen und Viren. Ex-Wiesn-Doc Hölzenbein zu BILD: „Impfungen auffrischen! Vor allem Grippeschutz.“

10. Füße runter vom Biertisch!

Klar, auf einem Volksfest geht’s zünftig zu. Aber: Rustikales nicht mit Rüpelei verwechseln! Tanzen auf der Bierbank wird größtenteils geduldet, auf dem Tisch haben die Füße aber nichts verloren.

Wer sich von der Security nicht belehren lässt, für den ist das Fest schneller vorbei, als er den Krug leer trinken konnte – dann droht sogar der Rauswurf! Gleiches gilt übrigens, wenn man heimlich auf dem Oktoberfest raucht.

Also, benehmen Sie sich lieber! Jetzt wissen Sie ja, wie. Viel Spaß beim Feiern!