Alles wunderbar nach der 4:0-Gala?
Die Bayern fertigten im Bundesliga-Topspiel am Sonntag den Tabellendritten Eintracht Frankfurt ab. Sind die Münchner nach dem schwachen 0:0 in Leverkusen und dem knappen Weiterkommen in der Champions League gegen Celtic Glasgow (2:1, 1:1) wieder voll in der Spur? Von wegen!
Ausgerechnet nach dem 4:0 sprach der Erfahrenste einen wunden Punkt an, den bisher noch kein Bayern-Star in dieser Saison so geäußert hatte!
MÜLLER: Wir haben ein Mia-san-mia-Problem!
Thomas Müller (35) analysierte schonungslos in den Katakomben der Allianz Arena: „Wir haben uns den Sieg verdient in diesem Spiel – durch die Art und Weise, wie wir gespielt haben. Wir haben vielleicht ein bisschen gebraucht, uns auch selber zu glauben. Das muss man schon feststellen, dass in den letzten Wochen oder grundsätzlich, dass manchmal so ein bisschen dieses Selbstvertrauen fehlt bei dem einen oder anderen!“
Oha! Es fehlt ausgerechnet Stars beim Mia-san-mia-Klub FC Bayern aktuell an Selbstvertrauen.
Müller weiter: „Obwohl ja jeder, der beim FC Bayern unter Vertrag steht, irgendetwas Besonderes können muss, ansonsten wäre er nicht hier. Das ist nämlich schon eine ganz enorme Auslese, die hier spielt. Und da wundere ich mich tatsächlich manchmal darüber, dass wir da nicht grundsätzlich noch mehr Selbstvertrauen haben. Aber wir sind auch Menschen.“
Klar ist: Gerade gegen Frankfurt hatten vor allem die Flügel Michael Olise (23/traf zum 1:0, brachte die Ecke vor dem 2:0) und Leroy Sané (29/legte das 1:0 auf) noch Top-Chancen, die sie zu einfach liegen ließen. Auch Jamal Musiala (21/Tor zum 3:0) hätte noch mehr treffen und die Abwehr um Minjae Kim (28), Konrad Laimer (27) und Hiroki Ito (25) mutiger hinten rausspielen können.
BILD fragte Müller: Ist er derjenige, der den Kollegen in der Kabine das Mia san mia einimpfen will?
Der Ur-Bayer (seit 2000 im Verein) deutlich: „Natürlich, schon! Wir zeigen, dass es wenig Grund gibt, grundsätzlich zu hadern, es jedoch Sinn macht zu analysieren. Aber: Eine Analyse, die darf selbstkritisch sein, nur ohne dieses Selbstvertrauen zu verlieren, dass man jede Sekunde selbst immer noch ein Top-Top-Spieler ist – diesen Grat, der natürlich schmal ist, musst du finden.“
Der Weltmeister von 2014 (738 Profi-Spiele für Bayern) führt weiter aus: „Ich habe das Ganze in meiner Karriere schon über 700 Mal gemacht: Nach schlechten Spielen sitze ich auch daheim und man fühlt sich vielleicht kurz wie der größte Versager – und nach dem anderen Spiel, wo es super läuft, da denkst du jetzt: Ja, wieso ist der rote Teppich nicht bis zum Haus ausgerollt? In diesem Wellenbad der Gefühle bewegen wir uns und da musst du halt zurechtkommen.“
Das 4:0-Fazit von Müller: „Grundsätzlich war es einfach ein guter Auftritt – du hast ja jedes Spiel eine neue Chance. Aber du hast auch jedes Spiel eine neue Chance, am unmenschlichen Druck zu zerbrechen.“
Klare Worte vom Vize-Kapitän. Als nächstes treffen die Bayern in der Liga auf Stuttgart (Freitag, 20.30 Uhr/DAZN). Und dann steht der Hinspiel-Kracher im Achtelfinale gegen Leverkusen an (5. März in München, Rückspiel 11. März).
Mit Blick auf das deutsche Duell in der Königsklasse und in Bezug auf das 0:0 vor einer Woche sagt Müller: „Wir sind ja auch nicht blöd, wir schauen ja auch unser Spiel, wir haben ja auch ein Gefühl. Wenn du nicht aufs Tor schießt und 0,12 xGoals-Wert (Messung der Tor-Wahrscheinlichkeit; Anm. d. Red.) hast, das fühlt sich nicht gut an. Aber es muss sich auch nicht immer alles gut anfühlen…“
Was auch zum Mia san mia gehört: Immer positiv bleiben und mit breiter Brust in die größten Duelle gehen. Das erwartet Müller von allen Bayern: „Acht Punkte vor Leverkusen zu stehen, das musst du dir verdient haben. Und so müssen wir das Ganze auch interpretieren! Dass die letzten Wochen nicht so mit dieser Leichtigkeit und mit diesen Glanzvorstellungen abgelaufen sind, das wissen wir auch. Deswegen war es schön, heute mal wieder zu spüren, was uns hilft, die Spiele so zu absolvieren.“
Was beutetet Mia san mia genau?
Müller definierte das Klub-Motto im März 2023 mal so: „Es ist das Selbstverständnis eines Bajuwaren, dass er weiß, dass er stark ist, dass er gewinnen kann. Aber dass er auch weiß, dass er dafür arbeiten muss. Man darf schwitzen und danach auch genießen. Eine breite, und bei einem echten Bajuwaren auch behaarte Brust, die dann schweißgebadet die Trophäe hochhält, das ist vielleicht das richtige Bild.“