Manchmal geht’s ganz schnell!
Tennis-Star Jannik Sinner (23) wird nach zwei Doping-Vergehen im vergangenen Jahr für drei Monate gesperrt. Darauf einigte sich der Weltranglisten-Erste mit der Welt-Antidoping-Agentur (Wada).
Beim Masters in Indian Wells im März 2024 war der Italiener gleich zweimal auf das anabole Steroid Clostebol getestet worden. Gesperrt wurde er dafür nicht, weil die dafür verantwortliche International Tennis Integrity Agency (ITIA) seiner Erklärung glaubte.
Demnach habe er das Mittel ohne seine Kenntnis von seinem Physiotherapeuten über Massagen verabreicht bekommen. Dieser hatte zuvor eine eigene Schnittwunde damit behandelt, aber keine Handschuhe getragen, als er Sinner bei sich hatte.
Da aber ein Sportler für das Handeln seines Teams verantwortlich ist, ging die Wada gegen den Freispruch der ITIA vor und zog vor den Internationalen Sportgerichtshof (Cas). Dort sollte am 16. und 17. April eine Anhörung stattfinden. Die ist nun hinfällig.
Sinner, der mit dem Doping-Schatten über sich die letzten beiden Grand-Slam-Turniere US Open und Australian Open gewann, ist seit 9. Februar gesperrt. Abzüglich der lächerlichen viertägigen vorläufigen Sperre nach den positiven Tests darf er ab 5. Mai wieder spielen und ab 13. April wieder trainieren.
Eine vergleichsweise milde Strafe, denn vor dem Cas hätten ihm zwei Jahre Sperre gedroht. Ein Grand-Slam-Turnier verpasst Sinner damit nicht. Bitter ist dieses Urteil aber für die BMW Open in München. Dort darf er ebenso wenig spielen wie bei den Masters in Indian Wells, Miami, Monte Carlo und Madrid. Pünktlich zum Heim-Masters in Rom ab 7. Mai ist er zurück.
„Jannik Sinner hat sich mit der Wada geeinigt und erkennt seine Mitverantwortung für die Fehler seines Teams an“, heißt es in einer Erklärung seines Managements. „Die Untersuchung der Wada kam zu dem Schluss, dass Sinner keine Absicht hatte und aus den beiden positiven Tests auf minimale Spuren von Clostebol, die in seinem Körper festgestellt wurden, keinen Wettbewerbsvorteil gezogen hatte.“
Sinner dazu: „Dieser Fall schwebte nun seit fast einem Jahr über mir und der Prozess hatte noch lange Zeit, bis eine Entscheidung vielleicht erst am Ende des Jahres gefällt werden würde. Ich habe immer akzeptiert, dass ich Verantwortung für mein Team trage und bin mir dessen bewusst.“
Das Vorgehen der Wada kann er nach eigener Aussage verstehen. „Die strengen Regeln der Wada sind ein wichtiger Schutz für den Sport, den ich liebe. Auf dieser Grundlage habe ich der Sperre zugesagt“, so die Nummer 1.
Sinners Anwalt Jamie Singer von Onside Law: „Es freut mich sehr, dass Jannik dieses erschütternde Erlebnis endlich hinter sich lassen kann. Die Wada hat den vom unabhängigen Gericht festgestellten Sachverhalt bestätigt. Es ist klar, dass Jannik keine Absicht hatte, kein Wissen hatte und sich keinen Wettbewerbsvorteil verschaffte.“
Diese Sperre ist die große Chance für Alexander Zverev (27), die Nummer 1 der Welt zu werden, wenn er besonders bei den vier Masters-Turnieren sehr gut spielt. In der Nacht zu Sonnabend vergab die Nummer 2 aber die Chance, sich weiter an Sinner heranzuarbeiten.
Beim Turnier in Buenos Aires unterlag er dem Argentinier Francisco Cerundolo (26) 6:3, 3:6, 2:6. Nun geht’s für ihn nach Rio de Janeiro, Sinner bleibt auf dem Sofa.