Eigentlich war es ein perfekter Samstagabend für den HSV: Verdient mit 1:0 das Zweitliga-Topspiel gegen Köln gewonnen, Sprung an die Tabellenspitze.

Doch überschattet wurde der Erfolg von einer feigen und unentschuldbaren Attacke auf dem Hamburger Kiez. Eine Gruppe vermummter HSV-Hools schlug vor der Kneipe „Rutsche“ auf friedliche FC-Fans ein. Videos zeigen, wie die Gewalttäter auch ältere Personen und Frauen mit Fäusten angriffen.

Jetzt reagiert der HSV!

Sportvorstand Stefan Kuntz (62): „Ich bin genauso fassungslos wie alle anderen. Gewalt ist nie das geeignete Mittel“, sagte er „NDR 90,3“. Kuntz weiter: „Das bekloppte Vorgehen von einigen wenigen macht das kaputt, was viele unserer Fans so gut machen und sorgt dafür, dass die Raute in negativen Schlagzeilen steht. Das macht uns wütend.“

HSV-Fan-Direktor Cornelius Göbel: „Wir als HSV distanzieren uns maximal von diesem Verhalten. Und wir verurteilen es als sinnlose, beschämende Gewalt. Wir entschuldigen uns bei den Betroffenen und unbeteiligten Personen sowie beim 1. FC Köln ganz ausdrücklich.“

Und: „Diese Bilder haben Schaden angerichtet – zunächst schlimmen körperlichen und psychischen bei den Opfern dieser Gewaltattacken. Aber auch Schaden für den HSV, dessen organisierte Fanszene nun landesweit mit solchen Aktionen in Verbindung gebracht wird.“

Und es gibt noch ein weiteres Problem: „Die Gewalt-Vorfälle im Vorwege stärken aber auch die Wahrnehmung und das Bild in der Gesellschaft von randalierenden, aggressiven Fußballfans – hier dürfen wir uns dann auch nicht über entsprechende Ableitungen und Maßnahmen beschweren und wundern.“

Kölns Sport-Geschäftsführer Christian Keller (46) fand bereits am Samstag deutliche Worte: „Wenn harmlose Passanten von vermummten Halbstarken angegriffen werden, wenn auf Frauen und Alte eingeschlagen wird, das ist dermaßen asozial, das habe ich selten gesehen.“

Ein FC-Fan soll mit Verdacht auf Schädelfraktur ins Krankenhaus eingeliefert worden sein. Keller: „Das würde dem ganzen die Krone aufsetzen.“

Jetzt läuft die Aufarbeitung. Das Landeskriminalamt hat unter anderem wegen des Verdachts des schweren Landfriedensbruchs und der Körperverletzung die Ermittlungen aufgenommen.

Unmittelbar nach der Tat konnte die Polizei rund 400 HSV-Fans auf dem Kiez stellen und nahm ihre Identität auf. Dabei wurde nach Polizei-Angaben in 60 Fällen Vermummungsmaterial und mutmaßliche Tatkleidung gefunden. Alle Beteiligten bekamen zudem ein Aufenthaltsverbot für den Stadtteil St. Pauli.

Weil die Aktion teilweise bis nach 23 Uhr lief, konnten Teile der HSV-Fan-Szene nicht mehr zum Köln-Spiel ins Stadion kommen. Eine geplante XXL-Choreo mit Pappen und Blockfahne auf der Nordtribüne wurde kurzfristig abgesagt.

Schlecht: Aufgrund der Vermummung der Prügelfans konnte die Polizei nach BILD-Informationen keiner Person bisher eine konkrete Tatbeteiligung nachweisen. Die Hoffnungen liegen jetzt auf einem Abgleich der vor Ort festgestellten Personalien mit der Kartei „Gewalttäter Sport“. Das kann sich aber ziehen.

Unterdessen hat das zuständige Landeskriminalamt einen Zeugen-Aufruf gestartet. Auch der 1. FC Köln bittet Verletzte oder Betroffene, sich beim Klub zu melden.