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Berlin – Pflegenotstand, klamme Kassen, Fachkräftemangel – wird der neue Zivildienst zur Wunderwaffe gegen die Probleme im Land? Gestern berichtete BILD exklusiv von dem Geheimplan der Bundesregierung: Wenn die Wehrpflicht reaktiviert wird, müssen Verweigerer wie früher den sozialen Ersatzdienst leisten. Zehntausende junge Arbeitskräfte würden in den Sozialbereich gespült werden. Was bringt der Zivildienst wirklich?

„Pflichtdienst löst die Probleme unseres Landes nicht“

In Deutschland herrscht Pflegenotstand. Schon jetzt fehlen zehntausende Pflegekräfte. Für 2049 rechnet das Statistische Bundesamt mit sechs Millionen Pflegefällen. Der Zivildienst als rettendes Ufer? Pflegeexperte Heinz Rothgang (63) von der Uni Bremen ist skeptisch: „Einerseits ja, weil mehr Personen helfen. Andererseits brauchen wir Profis in der Pflege, nicht nur Hilfskräfte. Es braucht einen Mix aus beiden.“

Ähnlich sieht es beim Fachkräftemangel insgesamt aus: „Den können keine Kurzzeit-Zivis beheben, denn gebraucht werden qualifizierte und erfahrene Fachkräfte“, sagt Malteser-Geschäftsführer Frank Weber (54) zu BILD. „Wir stehen zum Zivildienst und leisten unseren Beitrag. Aber ein Pflichtdienst für junge Menschen wird die Probleme unseres Landes nicht lösen.“ Der eigentliche Fehler liege im jüngsten Gesundheits-Sparpaket, das Berufe in diesen Bereichen unattraktiver mache.

Linken-Chefin Ines Schwerdtner (36) sagte zu „Funke“, der Zivildienst würde Fachkräfte ersetzen. Fakt ist: Für Zivis gilt die gesetzliche Arbeitsmarktneutralität. Sprich, sie dürfen keine regulären Beschäftigten verdrängen.

Dagegen hält Samariter-Chef Knut Fleckenstein (72): „Unsere Erfahrung aus den Zivildiensten ist, dass eine Reihe von diesen jungen Menschen bei der Stange bleibt und eine Ausbildung im Rettungsdienst oder der Pflege macht.“ Er selbst könne mindestens 2000 Zivis pro Jahr einstellen.

Bleiben noch die klammen Sozialkassen: Trotz eines Rekordetats von 197,4 Milliarden Euro für Soziales im Jahr 2026 ist die Haushaltskasse der Bundesregierung leer. Gesundheitsminister Carsten Linnemann (48, CDU) muss sparen. Doch die Sozialverbände laufen schon jetzt dagegen Sturm. Auch ein neuer Zivildienst hätte einen Preis: Milliardenkosten für Sold und Vergütung. Viele Verbände erwarten, dass der Staat den Großteil der Kosten übernimmt. Die DLRG geht sogar noch weiter: Sie verlangt in BILD, dass der Staat die Gehälter der Zivildienstleistenden komplett finanziert.