Cala Major (Spanien) – Eine Berlinerin (28) wollte nur kurz im Meer planschen – doch plötzlich durchfuhr ein stechender Schmerz ihre Wade. Fische hatten zugebissen. Im knietiefen Wasser vor Cala Major auf Mallorca wurde die Touristin attackiert. „Erst einmal habe ich mich total erschrocken“, sagte sie dem „Mallorca Magazin“.
Die Frau war völlig überrascht. Sie habe keine Ahnung gehabt, dass es im Urlaubsparadies beißende Fische gibt. Dabei passiert das auf Mallorca immer wieder: Ausgerechnet im Sommer, wenn die Strände voll sind. Im Juli 2023 wurden an manchen Tagen bis zu 15 Fälle registriert.
Räuber mit kräftigen Zähnen
Hinter den Attacken stecken wohl Geiß- oder Brandbrassen, erklärte Meeresbiologin Silvia García von der Umweltschutzorganisation Oceana. Mit ihrem silbrigen Körper ähneln sich beide Arten, sie werden bis zu 30 beziehungsweise 36 Zentimeter groß. Markant sind ihre dicken Münder mit oft kräftigen Zähnen.
In der Regel hätten es Jungfische auf die Menschen abgesehen. Diese Tiere sind klein und transparent. Im Wasser kann man sie deshalb kaum sehen. Doch auch ältere Brassen beißen gerne zu. Ihre Angriffe sind schmerzhafter und enden oft blutig. Die Berlinerin dürfte von Jungtieren erwischt worden sein: Bei ihr floss kein Blut. Schmerzen hatte sie dennoch.
Fische haben Wunden zum Fressen gern
Warum die Brassen zubeißen, ist unklar. Möglicherweise hat die „Wassertemperatur einen großen Einfluss“, vermutet Pablo Arechavala. Die Theorie des Meeresbiologen vom Forschungsinstitut Imedea: Steigende Wassertemperaturen könnten die Fische hungriger machen.
Wird dann auch noch die Nahrung knapp, nehmen die Fische offenbar mit allem Vorlieb, was essbar wirkt. Dazu gehören Hornhaut an den Füßen, Hautschuppen und sogar kleine Hautverletzungen wie aufgekratzte Mückenstiche oder Pickel.
Zudem gewöhnen sich die Tiere an Menschen, weil sie von ihnen gefüttert werden. Das mache sie furchtloser und beißfreudiger. In der Regel seien Brassen-Bisse aber harmlos. Laut „Mallorca Magazin“ wurden Brassen-Attacken auch an den Stränden von Sa Ràpita, S'Estanyol, Cala Pi und Cala d'Or registriert – allesamt an der Südküste der Insel.