Zehn Gramm sollen auf die Erde geholt werden – spektakuläre Mars-Mond-Mission gestartet
Auf dem Mars haben schon rund ein Dutzend Rover oder Landevehikel erfolgreich aufgesetzt. Von den USA, China oder der ehemaligen Sowjetunion. Aber noch nie wurde Bodenmaterial vom Mars oder seinen beiden Monden zur Erde transportiert. Das soll sich jetzt ändern.
Jetzt wurde unter Führung Japans das MMX-Projekt (Martian Moons eXploration) gestartet. Die bisher größte japanische Mission ins Sonnensystem hat ein technisch-wissenschaftlich spektakuläres Drehbuch, an dem auch Deutschland beteiligt ist.
Lange Zeit sah es danach aus, dass die Europäer über ihre Raumfahrtorganisation ESA gemeinsam mit der US-Weltraumagentur Nasa Bodenproben vom Mars zur Erde bringen. Seit Herbst 2021 sammelte dazu der US-Rover Perseverance auf dem roten Planeten Material ein. Doch die Kosten für das Projekt stiegen bis auf elf Milliarden Dollar und die erwartete Probenankunft auf der Erde verzögerte sich auf frühestens 2040. Vor diesem Hintergrund legte der US-Kongress im Januar 2026 unter der Regie von US-Präsident Donald Trump das europäisch-amerikanische Gemeinschaftsprojekt auf Eis.
Die aktuell realistischste Mission für echte Mars-Oberflächenproben haben jetzt die Chinesen. Ihre Tianwen-3-Mission soll 2028 starten und mindestens 500 Gramm Bodenproben zur Erde bringen. Die Landung ist für 2031 geplant.
Etwa zeitgleich ist auch die Landung der Rückkehrkapsel aus der soeben gestarteten japanischen MMX-Mission vorgesehen.
Die beiden Monde sind das Ziel
In der Nacht zum Dienstag hob um 4:41 Uhr Ortszeit jetzt die H3-Rakete von Mitsubishi Heavy Industries vom Weltraumbahnhof Tanegashima ab. An Bord die 4,5 Tonnen schwere MMX-Sonde, die sich aus drei Modulen zusammensetzt: einem Antriebsmodul für den Transfer in die Mars-Umlaufbahn, einem Explorationsmodul mit Landebeinen und einem kleinen Rover sowie dem Rückkehrmodul. Damit sollen schätzungsweise zehn Gramm Bodenmaterial zur Erde zurückfliegen und 2031 in Australien landen.
Das Ziel der japanischen Mars-Mission ist nicht der rote Planet selbst, sondern seine zwei kleinen Monde. Zum einen der größere Mond Phobos, auf dem die MMX-Sonde voraussichtlich 2029 zweimal kurz landen und zuvor zum Jahreswechsel 2028/29 einen kleinen Rover mit dem Namen Idefix absetzen soll. Zum anderen der Mond Deimos, der in Vorbeiflügen erkundet werden soll. Ziel der Wissenschaftler ist die Entschlüsselung der Entstehung der Mars-Monde und der Geschichte des Mars-Systems. Sie wollen auch Technologien für künftige womöglich bemannte Mars-Erkundungen weiterentwickeln.
Deutschland baut an Idefix mit
Deutschland ist über das DLR (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt) vor allem mit seinem Institut für Robotik am Rover Idefix beteiligt, der auf dem Mars-Mond Phobos umherfahren soll. Der Name bezeichnet diesmal nicht den kleinen Hund von Obelix in der Comic-Serie „Asterix“, sondern ein Wägelchen mit vier einzeln angetriebenen Rädern in den Abmessungen einer großen Getränkekiste. Idefix wiegt auf der Erde rund 25 Kilo. Durch die geringe Schwerkraft auf dem Mond Phobos verringert sich das Gewicht vor Ort auf nur zwölf bis 15 Gramm, etwa das Gewicht einer großen Weintraube. Der Rover ist in deutsch-französischer Zusammenarbeit zwischen dem DLR und Frankreichs Raumfahrtagentur CNES entstanden.
Die DLR-Vorstandsvorsitzende Anke Kaysser-Pyzalla äußerte sich am DLR-Standort Oberpfaffenhofen beim Start der japanischen Rakete sichtlich stolz über den deutschen Beitrag zur Mission. „Es ist ein Beispiel, dass wir in der Spitzengruppe der Technologieentwicklung tätig sind“, sagte sie am Rande der Veranstaltung.
2030 wird angebohrt
Schon das Landemanöver des Rovers ist einzigartig: Läuft alles nach Plan, fällt er aus 100 bis 40 Metern Höhe von der Sonde auf die Phobos-Oberfläche. Er könnte dort mehrmals abprallen, kann sich selbst aufrichten und soll etwa 100 Tage operieren und könnte womöglich 100 Meter zurücklegen. Er soll Bilder und Daten senden, um die Landung des Explorationsmoduls zu unterstützen. Etwa 2030 soll dieses Hauptmodul dann die Phobos-Oberfläche bis auf zwei Zentimeter Tiefe anbohren und zusätzlich mit einem pneumatischen System, bei dem Hochdruck-Stickstoffgas ausgestoßen wird, aufgewirbelte Oberflächenpartikel einsammeln. Das Oberflächenmaterial soll dann in einer Rückkehrkapsel mit etwa 60 Zentimetern Durchmesser zur Erde zurückfliegen.
Die japanische Raumfahrtagentur JAXA und das DLR können bei der MMX-Mission auf ihren Erfahrungen mit Rückkehrkapseln zur Erde und bei Landevehikeln aufbauen. So landete im Dezember 2020 eine Rückkehrkapsel in Australien mit gut fünf Gramm Material vom Asteroiden Ryugu bei der japanischen Mission Hayabusa2. Das dabei eingesetzte Landevehikel wurde federführend vom DLR entwickelt und gebaut, ebenfalls in enger Kooperation mit der französischen Raumfahrtagentur CNES und der JAXA.
Bei der jetzt gestarteten MMX-Mission sind nicht nur die Japaner eingebunden, sondern auch die Nasa, die ESA, das DLR und Frankreichs CNES. Die Kosten des Projektes belaufen sich nur auf einen Bruchteil der abgesagten Mars-Mission der Europäer mit der Nasa. Der Rover Idefix kostet 50 Millionen Euro, sagte die DLR-Chefin. Was die gesamte MMX-Mission kostet, verraten die Japaner nicht.