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Berlin – Abdul Ballout (21) tötete bei einem Terroranschlag auf den Christopher Street Day in Berlin eine Frau und verletzte 29 Menschen teilweise lebensgefährlich. Der Deutsche mit libanesischen Wurzeln war erst im Mai zu 22 Monaten verurteilt worden, weil er sich im vergangenen Sommer dem IS anschließen wollte. Doch das Gericht ließ ihn auf Bewährung laufen …

Versuch, sich dem IS anzuschließen

Ballout war bereits seit seiner Jugend polizeibekannt. Vor vier Jahren wurde er wegen Körperverletzung und Raubes, Taten aus den Jahren 2019 und 2020, verurteilt. Das schreibt die Berliner Generalstaatsanwaltschaft in einer gemeinsamen Erklärung mit den Berliner Strafgerichten. Später hatte sich der junge Muslim offenbar radikalisiert und wollte sich dem bewaffneten Kampf des IS anschließen, reiste dazu im Mai 2025 in die Türkei. Zunächst wollte er nach Mauretanien. Als dies schiefging, flog er in den Libanon. Dort suchte er Kontakt zu Mitgliedern des IS. Im Juli wurde er von den libanesischen Behörden festgenommen und von einem Militärgericht für drei Monate ins Gefängnis geschickt. Danach schob man ihn nach Deutschland ab. Bei seiner Ankunft am Flughafen in Berlin am 17. November wurde er von den deutschen Beamten erneut verhaftet und kam in Untersuchungshaft. Ein halbes Jahr später, noch im Mai 2026, wurde ihm in Berlin wegen Terrorismus („schwere staatsgefährdende Gewalttat“) der Prozess gemacht. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Ballout sich dem IS anschließen wollte und Propaganda der islamistischen Terrororganisation in sozialen Medien verbreitet hatte. Er wurde zu 22 Monaten verurteilt – auf Bewährung! Und er sollte an einem Deradikalisierungsprogramm teilnehmen. Dagegen legte die Generalstaatsanwaltschaft zwar Berufung ein, doch darüber war noch nicht entschieden, als Ballout den Transporter in die CSD-Besucher lenkte …

Sprich: Statt im Knast zu bleiben, durfte der Islamist also erst mal nach Hause gehen! Das Gericht begründete die Bewährungsstrafe u.a. damit, dass Abdul Ballout bereits im Libanon drei Monate und in Deutschland sechs Monate in Haft gesessen hatte. Weiter rechnete das Gericht dem späteren Mörder und Terroristen an, dass er sich im Verfahren geständig gezeigt und vom IS distanziert habe. Auch sei es zu keiner konkreten Gefährdung gekommen. Ganz offensichtlich eine völlige Fehleinschätzung!

Terror-Experte Neumann: „Ich halte das für total irre“

Terrorismus-Experte Peter Neumann (51) übt im Gespräch mit BILD-Vize Paul Ronzheimer deutliche Kritik an den Sicherheitsbehörden und der Justiz. Unverständlich ist für ihn, dass Ballout wieder auf freien Fuß kam. Neumann: „Ich halte das für total irre.“ Und weiter: „Dass eine solche Person, die wirklich ein hohes Risiko darstellt, nur auf Bewährung freigelassen wird, das ist für mich unverständlich.“ Nach Neumanns Einschätzung habe die Justiz den Schwerpunkt zu sehr auf Resozialisierung gelegt und zu wenig auf den Schutz der Bevölkerung. „Ich glaube, dann muss man wirklich den Schutz der Öffentlichkeit vor diesen erzieherischen Gedanken stellen.“

Wie wird ein Gefährder überhaupt überwacht?

Viele fragen sich nach dem Anschlag: Warum wurde ein als gefährlich eingestufter Mann nicht rund um die Uhr beobachtet? Neumann erklärt, dass selbst hochgefährliche Gefährder in Deutschland meist nicht permanent überwacht werden. „Er wurde sicher nicht 24 Stunden am Tag beobachtet. Das ist etwas, das sehr, sehr aufwendig ist.“ Stattdessen kämen nach seinen Angaben andere Maßnahmen zum Einsatz: Telekommunikationsüberwachung, gelegentliche Observationen, Gespräche mit der Polizei sowie Deradikalisierungsprogramme. „Wahrscheinlich sind gelegentliche Gefährderansprachen“, beschreibt Neumann das Vorgehen. Das bedeute, die Polizei klopfe an die Tür und mache deutlich: „Wir haben dich im Blick.“

Eine lückenlose Überwachung sei dagegen nur bei sehr wenigen Personen möglich. „Ich vermute, in Deutschland gibt es wahrscheinlich nicht mehr als zwei Dutzend Personen, die wirklich 24 Stunden am Tag rund um die Uhr bewacht werden.“

Deradikalisierung statt Haft?

Besonders kritisch sieht Neumann die Entscheidung, den Mann bei einem Deradikalisierungsprogramm zu betreuen. Solche Programme könnten zwar helfen – allerdings nicht bei bereits hochradikalisierten Personen. „Sie funktionieren, wenn jemand aus der Szene raus möchte.“ Bei überzeugten Extremisten sei das anders: „Wo es nicht effektiv ist, ist, wenn jemand festentschlossen ist und wenn jemand hochradikalisiert ist.“

Neumann erinnert bei „RONZHEIMER“ auch an den Anschlag auf den Berliner Breitscheidplatz: „Anis Amri hat ja auch diesen Lkw in den Weihnachtsmarkt reingefahren und konnte dann fliehen.“ Der Experte nennt gleich mehrere Gründe dafür, dass dies beim CSD wieder passiert ist:

  • Der Anschlag sei nicht unmittelbar dort verübt worden, wo Polizeikräfte bereits präsent gewesen seien.
  • Zudem herrsche nach einer solchen Tat Chaos: „Es gibt hier Schwerverletzte. Leute liegen auf dem Gras, auf dem Boden. Natürlich ist der erste Instinkt der meisten Menschen, zu diesen Verletzten hinzugehen.“