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Berlin – Wieder über drei Millionen Menschen ohne Job! Im Juli waren laut Bundesagentur für Arbeit (BA) 3.007.000 Menschen arbeitslos. Seit 2019 gilt: Wer in Deutschland eine neue Stelle sucht, landet immer öfter beim Staat. In der freien Wirtschaft dagegen: Stellenabbau, Kurzarbeit, Stillstand.

Der Staat als Jobmotor: Während viele Unternehmen Personal abbauen, wachsen seit Jahren vor allem Pflege, Gesundheit, Soziales und öffentliche Verwaltung. Die aktuellen BA-Zahlen zeigen, wie deutlich sich das inzwischen im Arbeitsmarkt niederschlägt: Im Gesundheitswesen entstanden 67.000 neue Stellen, in Pflege und Sozialbereich 63.000, in der öffentlichen Verwaltung weitere 22.000. Zusammen: 152.000 neue Jobs. Gleichzeitig fallen in der Wirtschaft Stellen weg. Das verarbeitende Gewerbe verlor 170.000 Stellen, Metall, Elektro und Stahl 123.000, der Handel 49.000 und die Zeitarbeit 27.000.

Die Wirtschaft baut ab und der Staat springt ein

Bis 2019 wuchsen Staat und Privatwirtschaft noch Schulter an Schulter. Die Metall- und Elektroindustrie legte um 69.000 Stellen zu, qualifizierte Unternehmensdienstleister (z. B. Ingenieure, Steuer- und Rechtsberatung, Finanzcontrolling) sogar um 83.000 Stellen. Dann kam Corona. Industrie und Gastgewerbe brachen ein, der Staat stellte weiter ein: 2020 plus 44.000, 2021 sogar plus 73.000. Bis Ende 2023 entstanden in Verwaltung, Gesundheit, Erziehung und Sozialwesen rund 450.000 zusätzliche Stellen. 2024 hat sich die Schere endgültig geöffnet: Die Privatwirtschaft schrumpft, der Staat wächst – verlässlich, Jahr für Jahr.

Seit 2019 hat die öffentliche Verwaltung rund 17 Prozent mehr Stellen aufgebaut. Gesundheit, Pflege, Erziehung, Sozialwesen: Insgesamt wurden dort von 2019 bis 2026 rund 871.000 Jobs geschaffen.

Besonders bitter: Die einstigen Hoffnungsträger sind gefallen. Die IT-Branche, jahrelang als Jobmotor gefeiert, liegt heute 21.000 Stellen unter dem Vorjahr. Auch bei den qualifizierten Unternehmensdienstleistern ist der Boom vorbei. Während die Branche bis 2023 noch über 100.000 neue Jobs pro Jahr schuf, kamen zuletzt gerade einmal 2000 hinzu.

Teilzeit-Staat statt Vollzeit-Industrie

Hinzu kommt: Seit Anfang 2024 wächst die Beschäftigung in Deutschland ausschließlich über Teilzeit. Im Mai 2026 standen 160.000 neue Teilzeitstellen einem Minus von 230.000 Vollzeitstellen gegenüber. Pflege, Erziehung und Verwaltung haben traditionell hohe Teilzeitquoten, die Industrie fordert eher Vollzeit.

Deutsche-Bank-Volkswirt Marc Schattenberg sieht den Arbeitsmarkt weiter unter Druck: „Der deutsche Arbeitsmarkt schwächelt weiterhin.“ Schuld seien laut Schattenberg nicht nur die schwache Konjunktur, sondern auch strukturelle Probleme in deutschen Schlüsselindustrien, die eine allgemeine Belebung des Arbeitsmarktes bremsen. Gleichzeitig bauten öffentliche Verwaltung, Pflege und Gesundheitswesen fast im gleichen Maß neue Stellen auf. Für den Herbst hofft der Ökonom auf etwas mehr Schwung.

Die Bilanz nach sieben Jahren ist eindeutig: Während die Industrie Stellen streicht, hält vor allem der staatsnahe Bereich den Jobmarkt über Wasser.