Chester (Großbritannien) – Sie gilt als schlimmste Kindsmörderin in der jüngsten Geschichte Großbritanniens. Lucy Letby (36) wurde 2023 wegen der Ermordung von sieben Neugeborenen sowie mehrerer Mordversuche an Säuglingen zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Taten sollen sich 2015 und 2016 auf der Neugeborenenstation des Countess of Chester Hospital abgespielt haben. Wichtigster Zeuge im Prozess damals: „Doctor A“. Er arbeitete im Jahr 2016 mit Letby zusammen. Jetzt wird bekannt: Der Arzt starb im Juli.
Laut dem britischen „Daily Express“ litt „Doctor A“ an einer nicht näher genannten Krankheit. Der Arzt soll der Grund gewesen sein, weswegen Krankenschwester Letby zur kaltblütigen Killerin wurde. Die Staatsanwaltschaft führte damals Letbys Verliebtheit in den Arzt als mögliches Motiv für die Angriffe auf die Babys an. Demnach soll sie Aufmerksamkeit und Anerkennung von ihm gesucht haben.
Letby soll von „Doctor A“ besessen gewesen sein
Im Laufe der Ermittlungen gegen Letby kam ans Licht, dass sie den verheirateten „Doctor A“ in ihren Notizen als ihre „Liebe“ bezeichnete. Sie soll regelrecht von ihm besessen gewesen sein, hieß es. Die beiden tauschten im Jahr 2016 über drei Monate hinweg mehr als 1300 Facebook-Nachrichten aus. Sie verabredeten sich zum Essen und gingen zusammen spazieren. Vor Gericht sagte der Arzt Jahre später gegen Letby aus. Um seine Familie zu schützen, blieb „Doctor A“ anonym. Wie alt der Mediziner bei seinem Tod war, ist deswegen nicht bekannt.
Die Staatsanwaltschaft warf Letby vor, zwischen Juni 2015 und Juni 2016 auf der Geburtsstation des Countess of Chester Hospital insgesamt sieben Babys getötet und es bei weiteren versucht zu haben. Die Angeklagte wies die Anschuldigungen zurück. Sie behauptete, die Kinder seien eines natürlichen Todes gestorben oder wegen der Fehler anderer.
Unterlagen belasteten Krankenschwester schwer
Untersuchungen ergaben jedoch, dass die Babys u. a. mit Insulin vergiftet worden waren. Außerdem spritzte Letby ihren Opfern Luft in die Blutbahn oder überfütterte sie mit Milch. Nach ihrer Ausbildung zur Kinderkrankenschwester war Letby im Januar 2012 auf die Neugeborenenstation in die Frühchen-Abteilung versetzt worden, wo sie bis zum Sommer 2016 arbeitete. Von da an bemerkte das Krankenhauspersonal immer wieder den plötzlich verschlechterten Zustand der Kinder, der sich nicht erklären ließ.
Unterlagen, die bei Letby später gefunden wurden, belasteten die Krankenschwester schwer. „Ich bin böse, ich habe das getan“, hieß es auf einem Zettel etwa. Das britische Boulevardblatt „The Sun“ bezeichnete Letby als „Todesengel“.