TTS-Player überspringenArtikel weiterlesen

Frankfurt – Ein kleiner Metallstift hätte den spektakulären Unfall am Frankfurter Flughafen womöglich wahrscheinlich verhindern können. Genau dieser fehlte nach Angaben der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU), als eine Lufthansa-Boeing 787 Anfang Juni plötzlich mit der Nase auf den Beton krachte. Zudem zeigt der Bericht: Bei dem Unfall wurden deutlich mehr Menschen verletzt als bislang öffentlich bekannt.

Die Ermittler fanden den Verriegelungsstift für das Bugfahrwerk nicht an der dafür vorgesehenen Stelle. Stattdessen lag die technische Sicherung mit ihrer roten Warnfahne in einer Aufbewahrungskiste im vorderen Frachtraum. Das geht aus dem am Donnerstag veröffentlichten Zwischenbericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) hervor.

23 Menschen verletzt

Der Unfall ereignete sich am 4. Juni am Frankfurter Flughafen. Die Boeing 787-9 der Lufthansa wurde für den Flug nach Los Angeles vorbereitet. Die Maschine war erst Anfang 2026 in Dienst gestellt worden und hatte bis zum Unfall lediglich 137 Flüge absolviert.

An Bord des Flugzeugs befanden sich 28 Menschen – darunter Techniker, Cockpit- und Kabinenbesatzung sowie Mitarbeiter der Bodenabfertigung. Die Techniker führten im Cockpit einen Wartungstest durch. Hintergrund war eine noch offene Beanstandung an der Steuerung der Hauptfahrwerkstüren. Während des Tests stellten sie den Fahrwerkshebel auf „UP“. Daraufhin fuhr das Bugfahrwerk ein. Die Boeing sackte vorn ab und schlug mit der Rumpfnase sowie beiden Triebwerksverkleidungen auf dem Beton auf.

Wartungsvorschrift missachtet?

Nach Angaben der BFU wurden bei dem Unglück insgesamt 23 Menschen verletzt – 21 leicht, zwei schwer. Damit liegt die Zahl der Verletzten höher als in ersten öffentlichen Angaben nach dem Unfall. Passagiere waren zu diesem Zeitpunkt glücklicherweise noch nicht an Bord.

Nach den bisherigen Erkenntnissen weist auch das Wartungshandbuch von Boeing ausdrücklich darauf hin, dass die Verriegelungsstifte vor einem solchen Test eingesetzt werden müssen. Ob der fehlende Stift tatsächlich zum Unfall führte, lässt die BFU jedoch ausdrücklich offen. Die Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen. Erst der Abschlussbericht, der in etwa einem Jahr erwartet wird, soll die Unfallursache benennen.