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München – Erst ein am Handy spielender Schöffe, jetzt Ärger um einen Söder-Festakt: Droht ein Prozess gegen Hells-Angels-Bandenmitglied erneut zu platzen?

Vor Gericht stehen Erkan A. (36) und drei weitere Männer. Die Angeklagten sollen 2023 versucht haben, den Betreiber eines Münchner Nachtclubs zur Zahlung von Schutzgeld zu zwingen. Nach Anklage forderten sie zunächst 25 Prozent der Einnahmen. Später soll die Summe auf 50.000 Euro gestiegen sein. Der Clubchef schaltete schließlich die Polizei ein. Bereits im April war der Prozess spektakulär gescheitert. Grund: Ein Schöffe soll während der Aussage eines wichtigen Zeugen minutenlang auf seinem Handy gespielt haben. Die Verteidiger rügten sein Verhalten. Das Verfahren musste ausgesetzt und komplett neu gestartet werden.

Wichtige Geschäftsreise oder Festakt?

Jetzt droht erneut Ärger wegen eines Laienrichters! Denn vor dem Neustart hatte das Gericht einen ursprünglich eingeteilten Schöffen von seiner Aufgabe entbunden. Als Grund gab dieser eine „wichtige Geschäftsreise“ an. Für ihn rückte eine Ersatzschöffin nach. Die Verteidiger Alexander Hamburg und Dr. Adam Ahmed halten das für rechtswidrig. Nach ihren Angaben handelte es sich bei dem Termin nicht um eine Geschäftsreise, sondern um einen Festakt in der Münchner Residenz, zu dem Ministerpräsident Markus Söder eingeladen hatte.

Verteidigung rügt Besetzung des Gerichts

„Nachgewiesen wurde das nicht, lediglich die Einladung vorgelegt“, kritisiert Anwalt Ahmed. Der Schöffe gab aber an, dienstlich gebunden zu sein. Außerdem hätte der Arbeitgeber den Schöffen für seine richterliche Tätigkeit freistellen müssen. Die Verteidigung rügte deshalb die „vorschriftswidrige Besetzung des Gerichts“. Das Amtsgericht wies den Antrag zwar zurück. Doch jetzt beschäftigt der Fall das Landgericht München. Sollten die Richter dort der Argumentation der Verteidigung folgen, könnte der Prozess erneut scheitern. Die Folge: zusätzliche Kosten für Anwälte, Zeugen und Gericht. Nach Schätzungen würden rund 4000 Euro zulasten der Staatskasse anfallen.

Der Fall: Seit Februar saßen A., der nach BILD-Informationen der Münchner Rockerszene angehört, sowie drei mutmaßliche Komplizen vor dem Amtsgericht München. Wegen versuchter Erpressung und Bedrohung! Die Höllenengel sollen 2023 den Chef eines Münchner In-Clubs massiv unter Druck gesetzt haben. Sie sollen laut Anklage 25 Prozent seiner Einnahmen gefordert haben. Sonst blühe „Krieg mit den Hells“. Als die Forderungen bei 50.000 Euro lagen, schaltete der Geschäftsmann die Polizei ein. Der Angeklagte hat sich zu den Vorwürfen noch nicht geäußert.