Radeburg (Sachsen) – Ständig Stau auf der Staatsstraße 100. Eine ungewöhnliche Ampel stoppt dort seit 10 Monaten halbseitig den Verkehr. Dabei ist der Asphalt in einem tadellosen Zustand – solange es trocken ist. Denn sobald es regnet, steht auf der Hälfte der Asphaltpiste das Wasser. Der Klimawandel ist schuld, sagt Sachsens Straßenamt. Die Ampel ist aber auch in Betrieb, wenn es gar nicht regnet. Jeden Tag. Rund um die Uhr. Und die Leute stehen im Stau.
Im November 2022 hatte der Freistaat Sachsen die Landstraße im Kreis Meißen für 1,7 Millionen Euro sanieren lassen. Dabei wurde u. a. eine neue Brücke über den kleinen Heidewiesenbach bei Radeburg (7600 Einwohner) gebaut. Jetzt ist die Fahrbahn dauerhaft halbseitig gesperrt.
Sanierte 1,7-Mio-Straße nicht mehr verkehrssicher
Denn seit 2025 gilt der Abschnitt der S100 als nicht mehr verkehrssicher. „Bei Starkregen steht das Wasser großflächig und teilweise mehrere Zentimeter hoch auf einer Fahrbahnhälfte“, heißt es aus dem Landesamt für Straßenbau und Verkehr in Dresden.
Laut Behörde besteht die Gefahr von „Aquaplaning, Wasserschlag, Sturzrisiken für Radfahrer“. In einem Beobachtungszeitraum von 682 Tagen kam es demnach 20‑mal zu einem Rückstau von Regenwasser. Deshalb wurden Warnbaken auf 140 Metern aufgestellt, eine Ampel musste her.
Ampel kostet monatlich 1830 Euro
Doch nun sehen Autofahrer auch bei überwiegender Trockenheit Rot und stehen im Stau. Weil man nicht vorhersagen kann, wann es stärker regnet, läuft die Ampel das ganze Jahr – Tag und Nacht. „Die Kosten belaufen sich auf 1830 Euro pro Monat“, heißt es aus dem Haus von Meißens Landrat Ralf Hänsel (55, CDU). So sind seit August 2025 bereits 18.300 Euro aufgelaufen.
Getan hat sich bis heute nichts, Bauarbeiter sind nicht zu sehen. Die Behörde von Sachsens Straßenpräsidentin Gabriele Ladewig (61) erklärt: „Die Planung zur Ursachenanalyse sowie zur Herstellung einer funktionstüchtigen Entwässerungsanlage ist beauftragt und befindet sich in Bearbeitung.“
Klimawandel soll schuld sein
„Wir rechnen damit, dass uns diese Ampel viele Jahre erhalten bleibt“, zitiert die Sächsische Zeitung Radeburgs Bürgermeisterin Michaela Ritter (53, parteilos), welche zuerst über die Ampel berichtete.
BILD hakt bei der Straßenverkehrsbehörde nach, wie es dazu kommen konnte. Schriftlich heißt es: „Die Praxis der vergangenen Jahre hat nun leider gezeigt, dass die veränderten klimatischen Bedingungen häufiger Starkniederschlagsereignisse verursachen. Für diese extremen Situationen sind die vorhandenen Entwässerungsanlagen – insbesondere die erforderlichen Leichtflüssigkeitsabscheider – nicht mehr vollständig leistungsfähig.“
Steuerzahler soll für Abfluss-Panne zahlen
Was anderswo kein Problem ist, soll hier also am Klimawandel liegen. Doch wer kommt für die Abfluss-Panne auf? BILD fragt nach Regress-Forderungen gegen den damaligen Planer oder die Baufirma der Straße? Die Landesbehörde antwortet dazu lediglich: „Im Rahmen der Bauausführung wurde die geplante Leistung ordnungsgemäß umgesetzt. Gegenüber der Baufirma bestehen daher keine Regressforderungen.“ Heißt: Der Steuerzahler muss wohl nicht nur für die Regen-Ampel blechen, sondern auch für eine Abflussnachrüstung zahlen.