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Zwei Jahre ist es her, da hat mir die Deutsche Bahn das EM-Viertelfinale versaut. Damals wollte ich an Bord eines ICE Deutschland gegen Spanien (1:2) gucken. Aber dank des sogenannten WLANs der Bahn – immerhin offizieller Partner des Turniers – ging gar nichts. Und zwar die gesamte 4 Stunden und 16 Minuten lange Fahrt von Frankfurt/Main nach Berlin. Was hat sich seit Juli 2024 bei der Bahn getan?

Ein Selbstversuch auf derselben Strecke, diesmal mit unserem WM-Auftakt gegen Curacao. Eigentlich hätte ich um 17.02 Uhr abfahren sollen. Aber: Der Staatskonzern hat meine ursprüngliche Verbindung grundlos gestrichen. Eine Benachrichtigung darüber habe ich nie bekommen. Glücklicherweise hatte ich mittags in die App geschaut, konnte rechtzeitig reagieren und musste nicht unnötig am bekanntermaßen lauschigen Frankfurter Hauptbahnhof rumhängen.

Was ich der Bahn nicht vorwerfen kann

16.03 Uhr startet mein Zug mit einer Minute Verspätung, ein ICE der älteren Generation. Höhe Offenbach-Ost ein vorsichtiger Test: Siehe da, ich kann im Internet surfen! Sollte ich heute wirklich in den Genuss des WM-Spiels kommen?! Ich will mein Glück lieber nicht überstrapazieren, also kappe ich die Verbindung und beginne diesen Text. Während ich tippe, durchfährt es mich plötzlich: Ich habe total beschissen umgebucht!

Denn: Meine normale Verbindung hätte über 4 Stunden gebraucht. Jetzt sitze ich aber im früheren und schnelleren Sprinter, der laut Plan nur 3:41 Stunden benötigt. Ich komme also WÄHREND des Deutschlandspiels in Berlin an. Fassungslos starre ich aus dem Fenster. In der Nähe eines Nests namens Niederjossa wird mir klar: Ich kann die Bahn für vieles verantwortlich machen – aber nicht für meine offensichtliche Dyskalkulie (Rechenschwäche). Bleibt also nur, auf genau das zu hoffen, womit mich die Bahn mit absurder Regelmäßigkeit zur Verzweiflung treibt: Massive Verspätung!

Bedient von meiner eigenen Dummheit, klappe ich den Rechner knapp zwei Stunden vor Anpfiff erst mal zu. Irgendwo in Niedersachsen stehen wir dann plötzlich, ich frohlocke. Die Stimme der Schaffnerin erklärt per Lautsprecher: „Der Grund für unseren Stillstand: Der Lokführer muss den Scheibenwischer neu montieren. Wie lange wir stehen, ist nicht abzuschätzen.“ Halleluja, denke ich, offenbar Fritz-Walter-Wetter – alles ist möglich! 20 Minuten später geht’s weiter. Ist das das nächste Zeichen? In Lehrte passieren wir eine Schrebergarten-Siedlung. Ein Laubenpieper hat geflaggt, die Deutschland-Fahne weht im Wind.

Ach, wir spielen also schon

18.55 Uhr klappe ich den Laptop auf. Durchatmen. Die Seite der ARD lädt, na immerhin. Aber das war’s halt auch. Come on, Deutsche Bahn … Nicht. Schon. Wieder. Ich sehe bei Tempo 200 einen eingefrorenen Wirtz, der am anderen Ende der Welt anscheinend die Nationalhymne singt. Nach rund 40 Sekunden Standbild bekomme ich einen Wiedergabefehler. „Beim Abruf aus dem Ausland kann Geolocking die Ursache sein.“ Hm ne, die Ursache ist deutscher als Socken in Sandalen und nutzt noch Windows 3.11.

Schlappe drei Refreshs später sehe ich Rasen. Ach, wir spielen also schon. Minute 1.24. Aber wieder reicht es nur für ein Standbild, weil die Bahn in den ZWEI JAHREN nach meinem EM-Desaster offenbar GAR NICHTS dafür getan hat, die Verbindung auf einer der wichtigsten Strecken Deutschlands zu verbessern.

Den nächsten Aussetzer stoppe ich. Spielminute 1.46 dauert bei mir unfassbare 28 Sekunden, danach sind wir aber plötzlich bei Spielminute 2.02. Mit Logik scheint man dem Problem nicht beizukommen, hilft nur Refreshen.

Das tue ich ein viertes und, wer hätte es gedacht, noch ein fünftes Mal, wieder lädt die Seite eeewig. Und wieder kriege ich nichts als Wiedergabefehler. 19.09 Uhr – Grüße gehen raus an meine BVB-Kollegen – breche ich ab. Bei 241 Sachen wechsele ich auf BILD.de, um zumindest den Liveticker zu verfolgen. Aber auch das lange Laden der wichtigsten Nachrichtenseite Deutschlands ist eines Hochtechnologie-Standortes im Jahr 2026 schlichtweg unwürdig. Irgendwann erfahre ich im Ticker, dass wir 1:0 führen, Nmecha hätte auch fast das 2:0 eingeschweißt. Die Männer packen das auch ohne mich, ich klappe zu.

Raten Sie mal, wer laut Bahn am schlechten Netz schuld ist …

Die Bahn, die sich als fan-nahes Unternehmen darzustellen versucht, hat es erneut geschafft, mir den kompletten Spaß am Spiel zu nehmen. Nur dass ich dieses Mal nach 9 statt nach 90 Minuten (plus Verlängerung) abgebrochen habe. Warum? Ehrlicherweise, um mir die Erniedrigung des panischen und vor allem komplett sinnlosen Dauer-Refreshens zu ersparen. Eine dritte Chance für einen Kick im Zug werde ich der failed company, die Jahr für Jahr mit Abermilliarden an Steuergeld gepampert werden muss, garantiert nicht geben.

Die Presseanfrage an den Konzern erspare ich mir dieses Mal. 2024 hatte ich bei der Bahn wegen des rund 4,5-stündigen WLAN-Ausfalls nachgehakt, woran es immer wieder hapert. Antwort der chronischen Zuspätkommer: Schuld seien die Mobilfunk-Anbieter und die Kunden, weil sie im Zug zu viel surfen.