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Navaluenga (Spanien) – Dichter Rauch färbt den Himmel grau, ein beißender Geruch liegt in der Luft. Während Tausende Menschen vor den verheerenden Waldbränden in Spanien in Sicherheit gebracht wurden, sitzt Maria (88) allein vor ihrem Haus. Nur wenige Kilometer entfernt kämpfen Einsatzkräfte rund um die Uhr gegen die Flammen. Doch die Rentnerin ist geblieben. „Ich bin Seniorin, ich bin hier ganz allein. So ein großes Feuer habe ich noch nie erlebt“, sagt Maria zu BILD.

Die Nachbarn sind weg – Maria bleibt zurück

Eigentlich ist Navaluenga (Spanien) ein ruhiger Ort in der Provinz Ávila westlich von Madrid. Doch dieser Sommer hat alles verändert. Wo sonst das Leben seinen gewohnten Gang geht, heulen nun Sirenen. Feuerwehrfahrzeuge rollen durch die Straßen, Polizeiwagen patrouillieren, Einsatzkräfte sind überall. Viele Bewohner haben ihre Häuser verlassen. Maria nicht.

„Die meisten meiner Nachbarn sind schon längst weggegangen. Hier sieht man nur noch Einsatzkräfte, die Polizei, die Feuerwehr und sogar die militärische Katastrophenschutzeinheit“, erzählt sie den BILD-Reportern. Für die 88-Jährige bedeutet jeder neue Tag vor allem eines: ausharren und hoffen.

„Man kann kaum noch atmen“

Besonders der Rauch setzt den Menschen zu. Die Behörden haben die Bewohner aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Doch selbst hinter den eigenen vier Wänden ist die Katastrophe spürbar. „Heute ist der Rauch extrem und so dicht, dass man kaum noch atmen kann“, sagt Maria.

Nur rund fünf Autominuten trennen ihr Zuhause von den Flammen. Eine Entfernung, die in diesen Tagen erschreckend kurz wirkt.

Ein Kampf gegen Feuer, Wind und Erschöpfung

Die Lage in der Region bleibt angespannt. Bürgermeister Armando García Cuenca spricht von dramatischen Bedingungen. Der Wind habe sich gedreht, dichter Rauch erschwere die Löscharbeiten erheblich. Löschhubschrauber und Flugzeuge können teilweise nicht mehr eingesetzt werden. Gleichzeitig nähert sich aus Richtung Madrid ein weiterer Großbrand. Sollten die Feuer aufeinandertreffen, könnte sich die Situation noch einmal deutlich verschärfen.

Seit Tagen kämpfen Feuerwehrleute, Helfer, Bauern und Bewohner ohne Pause gegen die Flammen. Viele arbeiten an der Grenze ihrer Kräfte. Zeit, das Erlebte zu verarbeiten, bleibt keine.

Die Hoffnung einer alten Frau

Für Maria geht es um ihr Zuhause, ihre Sicherheit. Tag für Tag blickt sie sorgenvoll auf die Entwicklung der Brände. „Ich hoffe einfach, dass das Feuer uns verschont und bald gelöscht werden kann“, sagt sie. Doch ihre Zuversicht wird immer wieder auf die Probe gestellt. „Der Wind macht alles nur noch schlimmer, und bei dieser unerträglichen Hitze scheint das Feuer einfach kein Ende zu nehmen.“

Das Feuer hat historische Ausmaße

In der Provinz Ávila wurden nach vorläufigen Schätzungen bereits knapp 50.000 Hektar Wald- und Buschland zerstört – entspricht etwa der Fläche des Bodensees. Es handelt sich um den größten Waldbrand der jüngeren Geschichte Spaniens seit Beginn der Aufzeichnungen (1968).

Zwar melden die Einsatzkräfte inzwischen Fortschritte im Kampf gegen die Flammen, und Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez spricht von „Licht am Ende des Tunnels“. Doch für Menschen wie Maria fühlt sich dieses Licht noch weit entfernt an.

Sie sitzt in ihrem Haus, die Fenster fest verschlossen, den Blick auf die rauchverhangene Landschaft gerichtet. Und sie wartet auf das, worauf derzeit ganz Ávila hofft: dass der Wind endlich nachlässt. Und dass die Flammen vor ihrem Zuhause Halt machen.