Madrid (Spanien) – Die Flammen scheinen unaufhaltsam. Während Tausende Feuerwehrleute in Spanien, Frankreich und Italien gegen die verheerenden Waldbrände kämpfen, spitzt sich die Lage rund um Madrid immer weiter zu. Zehntausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Einsatzkräfte suchen in den betroffenen Gebieten nach Zurückgebliebenen. Auf Videos ist zu sehen, wie Polizeibeamte der Guardia Civil sogar Haustüren eintreten – um Menschen zu retten.
Nach Angaben des spanischen Innenministeriums mussten in Madrid und der benachbarten Provinz Ávila mehr als 60.000 Menschen ihre Häuser verlassen oder dürfen nicht mehr auf die Straße. Allein in der Region Madrid haben die Flammen bereits mehr als 6000 Hektar vernichtet.
Die Regionalregierung spricht laut spanischen Medien vom schlimmsten Waldbrand der Geschichte der Hauptstadt. Mehrere Brandherde haben sich westlich von Madrid inzwischen zu einem großen Feuer zusammengeschlossen. Einsatzkräfte kämpften die ganze Nacht gegen die Flammen. Trotzdem teilte der Katastrophenschutz am Samstagmorgen mit, dass das Feuer weiter aktiv und nicht unter Kontrolle sei.
Zehntausende Menschen auf der Flucht
Nicht nur in Spanien kämpfen die Einsatzkräfte gegen die Flammen. Auch Frankreich ist von heftigen Waldbränden betroffen, besonders im Südwesten des Landes. Dort wurden nach Behördenangaben rund 141.000 Menschen in Sicherheit gebracht.
Auf der beliebten Halbinsel Cap Ferret nahe Bordeaux ordneten die Behörden sogar die vollständige Evakuierung an. Rund 44.000 Einwohner und Urlauber verließen das Gebiet über die einzige Zufahrtsstraße oder wurden per Boot in Sicherheit gebracht. Mehr als 800 Menschen wurden auf dem Seeweg nach Arcachon gebracht.
Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez (62) sprach von Bränden in einem Ausmaß, das das Land bislang nicht erlebt habe. Präsident Emmanuel Macron (48) ließ zusätzliche Streitkräfte mobilisieren, um den Zivilschutz zu unterstützen.
EU schickt Löschflugzeuge
Auch in Italien kämpfen die Einsatzkräfte gegen zahlreiche Waldbrände. Besonders betroffen sind die Regionen Sizilien und Kalabrien. Allein auf Sizilien wurden am Freitag Dutzende Feuer gemeldet.
Wann die Menschen in die Evakuierungsgebiete zurückkehren können, ist derzeit vielerorts noch unklar. Die Europäische Union schickte bereits mehrere Löschflugzeuge zur Unterstützung nach Frankreich und Spanien. Experten warnen seit Jahren, dass die durch den Klimawandel begünstigten Hitzewellen das Risiko für verheerende Waldbrände erhöhen. Dürre und außergewöhnliche Hitze haben die Vegetation in weiten Teilen Südeuropas ausgetrocknet und erschweren die Löscharbeiten zusätzlich.