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Berlin/Ankara (Türkei) – Seit Jahren radikalisiert sich die Türkei gegenüber Israel, hetzt immer wieder gegen den jüdischen Staat. Jetzt hatte Türkei-Außenminister Hakan Fidan (57) sogar einen antisemitischen Total-Ausfall! Bundesaußenminister Johann Wadephul (63, CDU) reagiert.

Wadephul zu BILD: „Die jüngsten Äußerungen des türkischen Außenministers mit Blick auf Israel sind vollkommen unangemessen. Israel ist einer anhaltenden Bedrohung aus der Region ausgesetzt und hat das Recht und die Pflicht, seine Bevölkerung zu schützen.“

Hintergrund: Kurz vor Beginn des Nato-Gipfels am Dienstag und Mittwoch, bei dem die Türkei Gastgeber ist, hatte der türkische Außenminister Israel als „gemeinsames Problem der Menschheit“ bezeichnet. Dabei sagte er über das Volk des jüdischen Staates: „Diese Menschen sind zu einer Last geworden, die die Menschheit nicht länger tragen kann.“

Worte wie aus dem Standard-Repertoire der schlimmsten Judenhasser der Menschheitsgeschichte und somit ein klarer Fall von Antisemitismus. Für Israels Außenminister Gideon Sa’ar (59) sind die Worte des Türken „ein Aufruf zum Völkermord“.

Wadephul reist nach Israel

Außenminister Wadephul kündigte eine kurzfristige Israel-Reise an: „Ich werde am Dienstagmorgen noch vor dem Nato-Gipfel nach Israel reisen und mich zu aktuellen Fragen des Nahen und Mittleren Ostens mit meinem Kollegen Sa’ar austauschen“, sagte Wadephul zu BILD. Gleichwohl glaubt Wadephul, dass sich die Beziehungen zwischen der Türkei und Israel trotz der Hetze aus Ankara reparieren lassen. Es gehe bei seiner Reise darum, „einen Beitrag zur Verständigung zwischen Israel und der Türkei zu leisten“, so Wadephul. Die Konflikte der Region werde man nur mit einem „beiderseitigen Grundkonsens“ lösen können.

Zuvor hatten die Grünen von der Bundesregierung eine Verurteilung der antisemitischen Äußerungen aus der Türkei gefordert. „Bei solchen Aussagen muss eine Bundesregierung klare Haltung zeigen“, sagte Grünen-Fraktionsvize Agnieszka Brugger (41) dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“ am Samstag. Auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Markus Töns (62) schrieb am Samstag bei Instagram: „Die Bundesregierung ist jetzt gefordert, hierzu unmissverständlich Stellung zu beziehen.“

Doch die Bundesregierung hielt sich zunächst bedeckt – und erweckte den Eindruck, sie wolle Türkei-Präsident Recep Tayyip Erdoğan (72) vor dem anstehenden Nato-Gipfel in Ankara am kommenden Dienstag und Mittwoch nicht verärgern.

Experte: Bundesregierung will Erdogan „nicht vor den Kopf stoßen“

Anlass für die Äußerungen Fidans in einem Interview mit dem TV-Sender CNN Türk war die israelische Anerkennung des Völkermords an den Armeniern im Osmanischen Reich ab 1915 – ein Verbrechen, das die Türkei bis heute leugnet und dessen Erwähnung sie kränkt.

Seit dem Hamas-Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 habe es zahlreiche ähnliche Aussagen gegen Israel aus Ankara gegeben, sagt der Türkei-Experte Eren Güvercin zu BILD. „Aus Berlin oder der EU gab es praktisch keine Reaktionen, weil man Erdogan aufgrund der migrations- und sicherheitspolitischen Abhängigkeiten nicht vor den Kopf stoßen möchte“, so Güvercin, der für die FDP bei der Berlin-Wahl im September kandidiert.