Volkswagen kündigt reihenweise Tarifverträge zum Jahresende – mehr als 100.000 Mitarbeiter betroffen
Volkswagen will im Kampf gegen die Krise das Tarifniveau absenken und kündigt deshalb mehrere Haustarifverträge mit der IG Metall. „Aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen hat die Volkswagen AG zudem verschiedene Tarifverträge zum 31. Dezember fristgerecht gekündigt“, teilte der Autokonzern am Mittwoch mit.
Das wirtschaftliche Umfeld habe sich für die Branche und auch für Volkswagen in den vergangenen 18 Monaten gravierend verschärft, erklärte VW-Personalvorstand Arne Meiswinkel mit Verweis auf die wachsende Konkurrenz chinesischer Hersteller in Europa. „Diese Marktveränderungen sind strukturell und tiefgreifend.“
Deshalb müsse Volkswagen jetzt handeln. Verschiedene Regelungen in den Tarifverträgen seien deshalb mit Blick auf den aktuellen Kostendruck anzupassen. Einzelheiten nannte er nicht.
Nach IG-Metall-Angaben handelt es sich um zehn Tarifverträge, darunter auch den wichtigen Manteltarifvertrag. Dieser hält zahlreiche grundlegende Regelungen für die mehr als 100.000 VW-Beschäftigten in Deutschland fest. Insgesamt besteht der VW-Haustarif aus 13 einzelnen Verträgen.
Die Forderung der IG Metall, bei Volkswagen wie auch im Flächentarifvertrag die Entgelte um fünf Prozent zu erhöhen, lehnte er ab. „Es gilt sogar mehr als zuvor, dass Volkswagen seine Kosten senken und auf ein wettbewerbsfähiges Niveau bringen muss.“ IG Metall und Betriebsrat lehnen den Vorstoß entschieden ab und kündigten Widerstand an.
Der Verhandlungsführer der IG Metall, Thorsten Gröger, sprach von einem „üblen Foul“ an der Belegschaft und von einem „schamlosen Versuch, in die Geldbeutel der Beschäftigten greifen zu wollen“. Volkswagen versuche, „die wirtschaftlichen Herausforderungen des Konzerns bei denen abzuladen, die das Unternehmen jeden Tag am Laufen halten“. Die Gewerkschaft werde es „nicht hinnehmen“, dass „unternehmerische Kosten und Risiken nun auf die Belegschaft verlagert werden“ sollten.
Vertreter von IG Metall, Betriebsrat und VW-Management hatten sich am Mittwoch in Hannover zu einem sogenannten Überprüfungsgespräch getroffen. Nachdem der Konzernvorstand seinen verschärften Sparkurs vorgestellt hatte, beriefen sich die Arbeitnehmervertreter Mitte September auf eine Klausel des Tarifvertrags von 2024 und erzwangen so das Gespräch. VW steckt wie andere deutsche Autobauer derzeit in einer tiefen Krise.