Caracas (Venezuela) – Zwei furchtbare Erdbeben richteten in Venezuela immensen Schaden an. Besonders in La Guaira nahe der Hauptstadt Caracas fielen die Wohnblocks und Hotels wie die sprichwörtlichen Kartenhäuser in sich zusammen, Etagen liegen meterhoch übereinander. Mittlerweile werden Zehntausende Tote befürchtet, jede helfende Hand wird benötigt, um den Wettlauf gegen die Zeit so oft wie möglich zu gewinnen und noch Überlebende zu finden.
Viele Länder haben Hilfsteams geschickt. Auch Venezuelas Militär ist ins Krisengebiet ausgerückt. Doch statt zu helfen, stehen die Militärs meistens nur rum, versperren Zufahrten und – noch schlimmer – beklauen Erdbebenopfer. Immer mehr Videos tauchen auf, in denen man sieht, wie Männer in Armeekleidung plündern. Noch nicht einmal Apotheken sind vor ihnen sicher, wie auch die Agentur AFP berichtet.
Kisten voller Elektrogeräte werden weggeschleppt, in einem kleinen Geschäft ist noch nicht mal mehr die Wandverkabelung vorhanden. „Ist das normal, dass die Leute sich gegenseitig auffressen?“, fragt Maria Esther Bernal. Die 71-Jährige hatte mehrere Läden an chinesische Händler vermietet – alle wurden nach dem Beben geplündert. In einem der Geschäfte war ein Chinese bei den Beben ums Leben gekommen, „die Leute sind einfach über seine Leiche gestiegen, um den Laden leerzuräumen“, berichtet sie.
Eine andere Bewohnerin berichtet Ähnliches. „Sie haben alles geklaut: Unsere Kleidung, Schuhe, Kochtöpfe, Tassen, Gläser“, schildert die 72-Jährige. „Es war ein einziges Chaos“, ergänzt ihr Sohn Gregory. „Wir waren nebenan und haben Tote geborgen, und während der Zeit haben die Leute bei uns geplündert. Sie sind Amok gelaufen und haben alles mitgenommen.“
„Hier sind mehr Gewehre als Schaufeln“
Wenn sie nicht plündern, stehen die Soldaten einfach untätig in der Gegend. „Hier sind mehr Gewehre als Schaufeln“, sagt ein Mann in einem anderen Video. Dabei sind noch Zehntausende Menschen vermisst und die Wahrscheinlichkeit, noch Überlebende zu finden, ist jetzt schon gering. Nur die ersten 24 bis 72 Stunden gelten als sogenannte goldenen Rettungszeit. Danach sinken die Chancen mit jeder Stunde drastisch – wobei es natürlich immer wieder Ausnahmen gibt. Die gelten dann als Wunder.