USA sollen Audi für Werk in Georgia Zollnachlass zugesagt haben – Insider nennen zehn Prozent
Die US-Regierung hat Audi Insidern zufolge Zollerleichterungen als Gegenleistung für ein Werk im Bundesstaat Georgia zugesagt. Der Zollsatz für Einfuhren werde effektiv bei zehn Prozent erwartet, sagten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Unklar ist, ob dieser Satz für alle Importfahrzeuge gilt oder nur für die aus Europa eingeführten Autos. Offen ist zudem, wann er eingeführt wird.
Eine Audi-Sprecherin lehnte eine Stellungnahme ab. Derzeit gilt für Einfuhren aus Europa ein Zollsatz von 15 Prozent. Einer der Insider sagte, Audi habe eine Halbierung der Zölle auf 7,5 Prozent verlangt. Die US-Regierung habe aber auf einem zweistelligen Satz bestanden.
Einer der Insider und drei weitere mit dem Vorgang vertraute Personen sagten, es sei davon auszugehen, dass die US-Regierung anderen Autobauern ähnliche Konditionen anbiete, wenn diese Produktion in die USA verlagerten. Zuerst hatte das „Wall Street Journal“ über die Pläne berichtet.
Dem Blatt zufolge waren Audi-Manager in den vergangenen Wochen nach Washington gereist, um auf einen Nachlass bei den Zöllen zu drängen. Die Volkswagen-Tochter importiert demnach alle Autos, die sie in den USA verkauft, aus Mexiko und Europa und zahlte im vergangenen Jahr mehr als eine Milliarde Dollar Zoll.
Die Manager hätten die Zusicherung erhalten, dass das US-Handelsministerium in Kürze ein Programm für Unternehmen auflegen werde, die in den USA investieren. Es dürfte ihnen Ausnahmen oder Verrechnungen bei Zöllen auf importierte Fahrzeuge oder Teile ermöglichen; an den Details werde noch gearbeitet. Um infrage zu kommen, müssten sich Unternehmen verpflichten, noch vor Ende des kommenden Jahres mit dem Bau einer Fabrik zu beginnen, sagte eine der Personen der Zeitung.
Audi-Chef soll Präsidium des VW-Aufsichtsrats informiert haben
Einem Bericht des „Manager Magazins“ zufolge hat Audi-Chef Gernot Döllner das Vorhaben vor seinem Auftritt mit Trump dem Präsidium des VW-Aufsichtsrats vorgestellt. Unter Berufung auf Beteiligte hieß es, sowohl der Zollsatz von 15 Prozent beim Import aus Europa als auch die 25 Prozent für in Mexiko gefertigte Fahrzeuge würden reduziert. Trump werde ein entsprechendes Dekret unterzeichnen. Zahlen und Fakten habe Döllner jedoch nicht vorgelegt, berichtete das Magazin unter Berufung auf Teilnehmer des Treffens.
Trump hatte den Bau des Werks am vergangenen Samstag auf einer Wahlkampfveranstaltung in Georgia angekündigt, bei der auch Döllner auf die Bühne kam. Audi will dort vier Milliarden Dollar investieren und jährlich 200.000 Fahrzeuge bauen, vor allem große SUV-Modelle wie den Q7, den Q8 oder den Q9. Volkswagen-Chef Oliver Blume hatte im Januar noch gesagt, der Konzern könne sich ein neues Audi-Werk in den USA nicht leisten, solange er die hohen Zollkosten tragen müsse.
IG Metall kritisiert Döllners Auftritt mit Trump
Laut „Wall Street Journal“ hat die Ankündigung in Deutschland Empörung bei Politikern und Gewerkschaftern ausgelöst, die einen Stellenabbau im eigenen Land befürchten. Die IG Metall kritisierte Döllner dafür, dass er bei einer politischen Kundgebung mit Trump auf der Bühne stand. Die Art, wie Döllner sich und Audi in den USA präsentiert habe, sei höchst peinlich, politisch inakzeptabel und des Unternehmens unwürdig, sagte Gewerkschaftschefin Christiane Benner.
Das Vorhaben muss noch vom Aufsichtsrat von Volkswagen gebilligt werden, der zur Hälfte aus Vertretern der Arbeitnehmer und Gewerkschaften besteht. Die IG Metall hat dort mehrere Sitze.