Washington D. C. – Kein Küsschen für Donald Trump (80)! Knapp zwei Wochen vor dem Nato-Gipfel hat sich der US-Präsident schon wieder über uns beschwert. Er sei „enttäuscht über Deutschland“ und die Haltung der Bundesregierung im Iran-Krieg, sagte Trump am Mittwoch bei einem Treffen mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte (59) im Weißen Haus.

Der Republikaner habe die Bundesregierung im Iran-Krieg gebeten: „Gebt uns einen kleinen Stups, gebt uns ein kleines Küsschen. Wir wollen nicht viel. Aber sie haben gesagt: ‚Nein, das können wir nicht tun.‘“ Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) wurde nicht namentlich genannt. Dabei gäben die USA „hunderte Millionen Dollar“ für in Deutschland und ganz Europa stationierte Truppen aus. Trump: „Wir kämpfen immer für sie.“ Offenbar als Konsequenz hatte das Pentagon mitten im Iran-Krieg den Abzug von 5000 Soldaten aus der Bundesrepublik angekündigt.

Plötzlich Lob für Selenskyj

Ungewöhnlich positive Worte fand er für den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj (48), nachdem der US-Präsident ihn bei einem Treffen im Weißen Haus im Februar 2025 öffentlich gedemütigt hatte. Auf die Frage eines Journalisten, ob Selenskyj den Krieg gegen Russland gewinne, sagte Trump: „Er schlägt sich ziemlich gut. Man muss sagen, er ist mutig. Er hat eine großartige Ausrüstung. Er hat großartige Männer, er hat Kämpfer.“

Trumps Kurswechsel gegenüber der Ukraine hatte sich bereits beim G7-Gipfel in Évian (Frankreich) Mitte Juni angedeutet, wo er Selenskyj persönlich traf. Merz und andere werteten es als Erfolg, dass Trump schärferen Sanktionen gegen Russland zustimmte und Moskau aufforderte, ein Friedensabkommen mit Kiew zu schließen. Zuvor hatte er immer wieder Sympathien für den Kreml-Herrscher Wladimir Putin (73) gezeigt.

Die Nato dürfte das Umdenken als positives Vorzeichen für ihren Gipfel in der türkischen Hauptstadt Ankara am 7. und 8. Juli werten, zu dem Selenskyj eingeladen ist. Vor dem Treffen mit Trump hatte Rutte per Videoschalte an Gesprächen der sogenannten E5-Gruppe zur Unterstützung der Ukraine in Berlin teilgenommen. Merz hatte danach betont, er wolle den Nato-Gipfel zum Erfolg machen und ein „starkes Zeichen“ zur Unterstützung der Ukraine setzen.

Nato-Chef Rutte verteidigt Deutschland

Allerdings wirft der anhaltende Zwist über den Iran-Krieg einen Schatten auf den Nato-Gipfel. Rutte versuchte in Washington, seinem Ruf als „Trump-Flüsterer“ gerecht zu werden: Er versicherte dem US-Präsidenten, bei der ausgebliebenen Unterstützung durch Verbündete handele es sich um „Einzelfälle“. Deutschland etwa habe gegenüber den USA „seine bilateralen Verpflichtungen erfüllt“, betonte der Nato-Chef. Zudem habe die Bundesregierung wie von Trump verlangt die Verteidigungsausgaben deutlich gesteigert.

Um das zu verdeutlichen, präsentierte Rutte eine Schautafel mit roten Balken zu den gestiegenen Investitionen der Partnerländer.. Darüber prangte in goldener Schrift: „Die Trump-Billion“. Aus einer Nato-nahen Quelle heißt es, Rutte wolle Trump mit dieser plakativen Darstellung überzeugen. Zudem lobte Rutte Trumps Führungsstärke, aber auch das fruchtete wenig: Der US-Präsident teilte auch gegen Frankreich, Italien und Großbritannien aus. Die Verbündeten hätten die USA „im Stich gelassen“.

Das Verhältnis zwischen den USA und den anderen Nato-Verbündeten ist angespannt. Zuletzt drohte Trump, die Europäer im Ernstfall nicht gegen Russland zu verteidigen, wenn sie nicht mehr Verantwortung für ihre Sicherheit übernähmen.