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Urlaub im Krisengebiet? Kein Problem – aber bitte mit analoger Bordkarte

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Digitalisierung und KI, automatisierte Buchungs- und Einreiseprozesse und biometrische Gesichtserkennung sind auf der ganzen Welt die großen Trendthemen für komfortablere Flugreisen. Auf der ganzen Welt? Nicht ganz. Ausgerechnet Europa versperrt sich gegen die Nutzung neuer Technologien im Zusammenhang mit dem Fliegen – und hat zugleich die weltweit höchste Frustration über die Reiseerlebnisse.

Die globale Airline-Organisation IATA hat 10.000 Flugpassagiere aus 200 Ländern zu ihren Reiseerfahrungen und Präferenzen befragt. Jetzt stellte sie die Ergebnisse vor. Am erstaunlichsten in der Analyse sind die Eigenheiten eines einzelnen regionalen Marktes, in dem die Uhren ganz anders zu gehen scheinen als im Rest der Welt: Europa.

Europa liegt in der Flugzufriedenheit weit hinter Afrika

Mit einem Zufriedenheitsgrad von nur 84 Prozent bildet Europa das alleinige Schlusslicht im weltweiten Zufriedenheitsranking. Selbst Flugreisende in Afrika und dem Mittleren Osten bewerten ihre Flugreisen positiver. Am wenigsten frustriert sind die Passagiere in der Asien-Pazifik-Region.

Glaubt man der IATA-Analyse, dann könnte eine Ursache der Frustration europäischer Flugreisenden neben Verspätungen, Preisen und anderen eher von Airlines verantworteten Problemen auch bei den Passagieren selbst zu suchen sein. Denn sie stehen möglichen Erleichterungen durch technologischen Fortschritt offenbar eher ablehnend gegenüber.

„Passagiere ergreifen neue Technologien, die das Reisen einfacher machen“, sagt IATA-Manager Nick Careen. Viele verwendeten KI-Bots, um Reiseziele und die günstigsten Flüge zu suchen. Die Nutzung biometrischer Identifikationsverfahren habe sich in den letzten drei Jahren verdoppelt und sorge für ein schnelleres und unkomplizierteres Flughafenerlebnis. Die Zufriedenheitsraten unter Menschen, die neue Technologien nutzten, seien überdurchschnittlich hoch. „Sie mögen es und wollen mehr“, so Careen.

Ganz anders sieht die Welt hingegen in Europa aus. Die KI-Nutzung zur Reiseplanung ist hier am niedrigsten und liegt mit 35 Prozent weit unter dem weltweiten Durchschnitt von 49 Prozent. Auch die Bereitschaft europäischer Reisender, biometrische Erkennungssysteme und digitale Pässe bei der Buchung zu nutzen, ist die niedrigste der Welt. Größte Sorge von Passagieren ist hier laut IATA-Befragung der Datenschutz.

Was die Europäer hingegen – wiederum im Gegensatz zum Rest der Welt – kaum zu kümmern scheint, sind Bomben und Raketen. Nur gut jeder zweite Europäer (54 Prozent) würde sich wegen geopolitischer Spannungen wie zuletzt etwa in der Golf-Region von einer Flugreise abbringen lassen. Diese Sorglosigkeit teilen die Menschen aus anderen Regionen nicht in dem Maße. Unter asiatischen Reisenden zum Beispiel würden knapp zwei Drittel Prozent nicht in ein Krisengebiet reisen.

„Die Europäer haben kein Problem damit, in eine Gefahrenzone zu reisen“, kommentiert Careen mit einem ironischen Lächeln die eigenwillige Gefahrenwahrnehmung in der Alten Welt auf den Punkt, „aber nur, wenn sie eine Bordkarte auf bedrucktem Papier bekommen.“

Die Reisenden anderer Regionen haben andere Sorgen. In Afrika zum Beispiel äußerten Befragte ein besonders großes Interesse an biometrischen und digitalen Verfahren – ihr größtes Problem sind komplexe und teure Visaverfahren. Die Südamerikaner wiederum zeigen sich am besorgtesten darum, dass ihr Gepäck auch sicher zugestellt wird. Zugleich nutzt hier nur jeder vierte ein elektronisches Taschen-Tag, mit dem sich verlorene Koffer wieder auffinden lassen.

Nordamerikanische Reisende bilden in vielerlei Hinsicht das Gegenteil zu den Europäern. Sie sind weltweit führend in der Nutzung von Technologien wie Kofferverfolgungs-Apps, Gepäck-Selbstabgabe sowie – trotz hoher Datenschutzbedenken – auch biometrischen Verfahren. Was die Amerikaner im weltweiten Vergleich am meisten sorgt, ist die Preisgabe persönlicher Informationen bei der Einreise.

Dieser Artikel wurde für WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.

Steffen Fründt ist Wirtschaftskorrespondent und berichtet über Luftfahrt, Schifffahrt und Tourismus.