Deutschland will – Quatsch, MUSS – schneller werden. Die Wirtschaft soll endlich wieder wachsen. Wir wollen mehr bauen, mehr investieren, weniger Bürokratie. Soweit die Theorie. Und jetzt kommt die Praxis.
Sie heißt Sabine Baumann und führt seit vielen Jahren die „Viktor Baumann GmbH“, eine Traditionsfirma in Bornheim bei Köln. 150 Mitarbeiter. Spezialität: ganz schwere Aufträge – ein Kran- und Spezial-Speditionsunternehmen. Und jetzt erzähle ich, was ihre Kräne über die deutsche Wirtschaft verraten. Genauer: die deutsche Bürokratie.
Mal angenommen, einer der Baumann-Kräne soll von Köln nach Bonn. Das ist nun wirklich keine Weltreise, rund 30 Kilometer Luftlinie. Doch für so einen Schwertransport braucht es Genehmigungen. Das ist vernünftig, denn schließlich kann man einen riesigen Kran nicht einfach über jede Brücke und durch jede Straße schicken. Es könnte Staus geben, Behinderungen des Verkehrs. Trotzdem wird es jetzt irrsinnig.
Eine Route, zwei Sachbearbeiter
Der Kran wird begleitet von einem Ballastfahrzeug. Das transportiert jene Gewichte, die der Kran am Einsatzort braucht, damit er stabilisiert wird. Kran und Ballast gehören also zusammen wie Döner und Alufolie. Offenbar aber nicht für die deutsche Verwaltung.
Denn für den Kran ist im Zweifel ein anderer Sachbearbeiter zuständig als für das Ballastfahrzeug. Der eine prüft dies, der andere das. Und wenn es richtig schlecht läuft, kommen beide zu unterschiedlichen Auflagen für zwei Fahrzeuge, die dasselbe Ziel haben. Oder ein Sachbearbeiter ist krank. Oder im Urlaub. Oder … oder … oder …
Noch mal zum Mitschreiben: Der Kran und sein Ballast können von derselben Firma zur selben Baustelle geschickt werden – und landen trotzdem in unterschiedlichen Verwaltungswelten. Sorry, das tut mir beim Lesen weh. Willkommen im Deutschland 2026.
Monate vergehen bis zur Genehmigung
Sabine Baumann hat dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ erzählt, wie deutsche Bürokratie in der Praxis aussieht: Früher dauerte eine Transportgenehmigung etwa neun Tage. Heute wartet sie bis zu fünf Monate. Oder länger. Eine im Januar beantragte Genehmigung war vor einigen Tagen noch nicht da. Sieben Monate. Für die Genehmigung eines Schwertransportes! Wer wundert sich da, dass eine neue Brücke zehn Jahre dauert?
Das Problem ist ja nicht, dass geprüft wird. Das Problem ist, wie geprüft wird. Nämlich in einer Art Behörden-Pingpong: Genehmigungsstelle, Autobahn GmbH, Landesbetrieb, Kommunen, Bezirksregierung. Jeder prüft. Und prüfen macht den Bürokraten froh. Sabine Baumann sagt: „In jedem Bundesland, jeder Bezirksregierung und jeder Kommune sitzt so ein kleiner Prinz, der seine Krone nicht verlieren will.“
Das Zepter all dieser kleinen Prinzen ist der Stempel. Das Absurde daran: Anderswo geht es schneller. Die Unternehmerin sagt, dass Hessen und Bayern vergleichbare Verfahren zum Teil in wenigen Tagen genehmigen. Ich bewundere Sabine Baumann für den Mut, die kleinen Prinzen anzuprangern. Für den Mut, zu fragen, ob der Föderalismus, der nach dem Krieg so wichtig für Deutschland war, heute noch richtig ist. Oder ob wir heute eher „ein Land, ein Regelwerk“ brauchen.