TTS-Player überspringenArtikel weiterlesen

Berlin/Teheran – Es wäre guter Stoff für einen Hollywoodfilm: CIA und Mossad jagen den iranischen Ober-Mullah Modschtaba Chamenei (56)! Während US-Präsident Donald Trump (80) seinen nächsten Schritt im Krieg mit Iran abwägt, suchen die Geheimdienste gemeinsam nach dem obersten religiösen Führer. Er übernahm die Macht, nachdem sein Vater Ali Chamenei (†86) am 28. Februar bei einem israelischen Luftangriff getötet wurde.

Das Problem: Der neue Ober-Mullah versteckt sich. Seit mehr als 150 Tagen soll er weder ein Telefon benutzt noch einen Laptop geöffnet haben, berichtet die britische „Times“. Er halte sich in einem tiefen Schutzbunker auf, sein Gesicht sei durch Verletzungen aus dem Luftangriff entstellt. Aus Angst vor US-Spionagesatelliten wage er sich nicht ans Tageslicht. Nachrichten, die in seinem Namen veröffentlicht wurden, könnten auch von den brutalen Revolutionsgarden (IRGC) stammen.

Kuriere könnten für Chamenei gefährlich werden

Da Cyberaufklärung beim neuen Ober-Mullah weniger wirksam ist, setzt der israelische Mossad-Geheimdienst auf sein Agentennetz im Iran. „Modschtaba benutzt vielleicht kein Telefon, aber falls er überhaupt noch lebt, verfügt er über andere Kommunikationswege“, sagt Rami Igra, ehemaliger Mossad-Abteilungsleiter, der „Times“.

Heißt: Zum Teil werden kleine Zettel mit Nachrichten genutzt, die dann von Kurieren transportiert werden. „Diese Kuriere wissen nicht, was sie tun, außer Botschaften von einer Person zur nächsten zu bringen.“ Der Mossad versuche, die Kuriere zu identifizieren. Zudem werden Telefonate überwacht, Gespräche über Modschtaba und seinen möglichen Aufenthaltsort abgehört. Wegen des Geldmangels im Iran würden zudem Belohnungen für Informationen ausgelobt, so Igra.

Krise spielt Revolutionsgarden in die Karten

Ein ehemaliger Oberstleutnant im Mossad benennt in der „Times“ ein weiteres Problem: Der Iran setze „auch Doppelgänger ein“. Der Ober-Mullah halte sich an verschiedenen Orten auf. Dort gebe es Menschen, die ihn mit Nahrung versorgen. „Doch sie wissen nicht, ob die Lebensmittel für den echten Modschtaba oder einen Doppelgänger bestimmt sind.“

Beni Sabti (54), Top-Iran-Experte am Institute for National Security Studies in Tel Aviv, erklärt in BILD: Für das Regime spiele es derzeit keine Rolle, ob Chamenei auftritt, denn der Iran stecke in einer Krise. „Das ist im Iran – traditionell und erst recht für dieses Regime – eine gute Ausrede. Und es ist auch gut für die Revolutionsgarden, denn Modschtaba erteilt manchmal Befehle, aber nur zwei, drei IRGC-Mitglieder haben Kontakt zu ihm.“ Diese könnten dann entscheiden. Laut Sabti zum Teil sogar für ihn, „weil er verletzt ist und sie braucht. Das Versteckspiel schadet der Stabilität im Land also nicht, vielleicht hilft es sogar.“