TTS-Player überspringenArtikel weiterlesen

Berlin – Es soll ein Spiel gegen das Böse sein. Die Uni Duisburg-Essen hat ein Computerprogramm entwickelt, mit dem Spieler in sieben Missionen erkennen lernen sollen, wie Judenhass online verbreitet wird.

Fast ein Drittel der angezeigten Fälle von Antisemitismus findet mittlerweile online statt. IBereits während der Coronapandemie nahm der Online-Hass gegen Juden zu. Nach dem Terrorangriff vom 7. Oktober 2023 erreichte er ein neues Ausmaß. Künstliche Intelligenz ermöglichte es Kreatoren dann, ihren Geifer sogar in künstliche und doch echt aussehende, ekelhafte Videos zu gießen: hunderttausendfach angeklickte Videos von Juden etwa, die wie Kühe Pfennige fressen, eine Spielart des antisemitischen Vorurteils von geldgierigen Juden.

Damit Schüler besser lernen, wie sie solche Inhalte erkennen, wurde jetzt „ShoutOut!“ entwickelt. Da werden ihnen Social-Media-Posts gezeigt, die sie dann entweder als harmlos oder als problematisch erkennen sollen. Darunter sind dann etwa harmlose Bilder von einem jüdischen Kerzenleuchter oder aber solche, die antisemitische Inhalte verbreiten – Geldscheine mit aufgemalten Davidsternen etwa. Auch sollen die Schüler lernen, zu erkennen, wenn dafür bezahlt wurde, dass ein Hass-Post größere Verbreitung bekommt.

Jugendliche konsumieren News online

Felix Klein (58), der Beauftragte der Bundesregierung für die Bekämpfung von Antisemitismus, kam zur Vorstellung des Spiels und sagte: „Was offline strafbar ist, darf online nicht folgenlos bleiben.“ Ein Problem sei, dass jetzt jeder alles fast ohne Kosten veröffentlichen könne: „Das Internet senkte die Kosten der Veröffentlichung radikal.“

Die Uni-Dozentin Monika Hübscher entwickelte das Spiel mit. „Alle Posts sind echten Posts nachempfunden, die wir online gefunden haben“, sagte sie. Sie sagte, Jugendliche würden ihre Nachrichten mittlerweile hauptsächlich über die sozialen Medien konsumieren. Und wenn sie dann einen Inhalt etwa auf TikTok sähen, der viele Likes und Kommentare hat, würde für sie ein Eindruck von Glaubwürdigkeit entstehen, auch wenn die Inhalte vollkommen absurd und hasserfüllt sind.

Spiel auch Hilfe für Lehrer

Das Spiel soll auch Lehrern helfen, den Schülern beizubringen, was Judenhass ist. Und das zu lehren, sei schwer geworden, da die Diskussion dann oft auf den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern übergehe, sagt Hübscher: „Viele Lehrkräfte befürchten eine Eskalation im Unterricht, wenn es um den Nahostkonflikt geht.“

Das Spiel kann jeder hier ausprobieren: https://shout.gusmanson.nl/language/deutsch/