Berlin – Ist die großangelegte Service- und Sauberkeitsoffensive der Deutschen Bahn ein Schnell- oder Bummelzug? BILD macht den Bahncheck: Das haben die beiden Mega-Sofortprogramme seit Jahresbeginn in Höhe von rund 70 Millionen Euro wirklich gebracht. Gibt es endlich saubere Bahnhöfe, funktionierende Toiletten und mehr Sicherheit?
BILD kennt die erste Bilanz der Bahn: 1400 Bahnhöfe wurden geschrubbt – doppelt so viele wie im Vorjahr. 1,5 Millionen Quadratmeter Fläche zusätzlich gesäubert. 44 Blitz-Handwerkerteams mit 200 neuen Mitarbeitern beseitigen Graffiti und kaputte Scheiben sofort. Zusätzliche Sicherheitsstreifen patrouillieren mit 100.000 Einsatzstunden auf Bahnsteigen und in Zügen. Bis Mitte des Jahres trägt jeder zweite DB Regio-Kundenbetreuer eine Bodycam.
220 Putz-Profis säubern Tische und Sitze während der Fahrt. Seit Jahresbeginn wurden 180.000 Arbeitsstunden an Bord geschrubbt. Zehntausende Säcke Müll entsorgt, 875.000 Toiletten gereinigt. UND es gab zu 98 Prozent funktionierende WCs – bei Bereitstellung des Zuges. Jeder vierte Zug hat eine brandneue Kaffeemaschine erhalten. Die Gastrogeräte im Bordbistro funktionieren zu rund 90 Prozent störungsfrei.
„Wir sanieren Rückrad der Bahn“
Bahn-Chefin Evelyn Palla (53) sagt zu BILD: „Wir sanieren das Rückgrat der Bahn – bis alles neu ist, sorgen unsere Sofortprogramme für mehr Sauberkeit, mehr Komfort und auch mehr Sicherheit. Neustart heißt für mich: voller Kundenfokus, jeden Tag. Die Bahn macht ernst – sofort, nicht irgendwann.“
Nach einer aktuellen Befragung unter 78.000 Kunden nimmt jeder fünfte Fahrgast (20 Prozent) die eingeleiteten Verbesserungen im Alltag aktiv wahr – die Mehrheit allerdings nicht. Bahn-Experte Detlef Neuß (71) vom Fahrgastverband „Pro Bahn“ bewertet die Bemühungen differenziert: „Die Qualitätsoffensive ist grundsätzlich positiv zu bewerten. Sie sorgt für mehr Sauberkeit in Zügen und Bahnhöfen, und auch das Sicherheitspersonal wurde verstärkt.“
Nachholbedarf beim Kundenservice
Neuß sieht deutlichen Nachholbedarf beim Kundenservice: „Die Fahrgastinformation lässt vor allem bei größeren Störungen noch zu wünschen übrig. Mit mehr Pünktlichkeit ist allerdings vorerst leider nicht zu rechnen, was aber auch nicht Gegenstand der Offensive war.“
Um die 60 Prozent lag die Pünktlichkeit in den letzten Monaten. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (58, CDU) fordert 70 Prozent bis 2030. Eine Bahnsprecherin zu BILD: „Grundsätzlich wirken sich der Zustand der Infrastruktur und das Baugeschehen bei gleichzeitig starker Auslastung der Hauptmagistralen und Knoten auf die Verlässlichkeit der Züge aus.“