Moskau (Russland) – Was haben Orcas und Eisbären mit dem Ukraine-Krieg zu tun? In der Gedankenwelt von Kremlchef Wladimir Putin offenbar mehr, als man erwarten würde. Der Russen-Diktator zog bei einem Treffen mit Lehrern – ausgerechnet vor dem „Tag des Wissens“ – einen absurden Vergleich mit der Nahrungskette in der Arktis, um russischen Kindern die Invasion in das Nachbarland zu erklären.
Bei einem Besuch der Staatlichen Pädagogischen Universität in Moskau sprach Putin am Samstag mit Lehrkräften – darunter der Chinesisch-Lehrer Dmitri Balantschukow aus der Grenzregion Belgorod. Balantschukow erzählte bei dieser Gelegenheit von einer Reise zum Nordpol. Putin wollte daraufhin wissen, ob er dort auch Eisbären gesehen habe. Die Antwort des Lehrers: Ja, gleich zwei große Tiere.
Putin: „Muss man Kindern erzählen“
Daraufhin startete Putin einen seiner ausschweifenden Vorträge: In der Arktis lebten auch Orcas, erklärte er. Die Schwertwale würden Eisbären im Rudel angreifen und sie wie einen „kleinen Happen“ zerreißen. So funktioniere nun einmal die Nahrungskette. Dann schlug er den Bogen ins Politische: „Davon muss man auch Kindern erzählen, damit sie verstehen, in welcher Welt wir leben“, schloss Putin, „und warum wir die spezielle Militäroperation durchführen.“
Mit dem Begriff „spezielle Militäroperation“ bezeichnet Moskau seinen brutalen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Bereits zuvor hatte Putin erklärt, der Kampf gegen den Neonazismus des „Kiewer Regimes“ gehöre zu den Gründen für den Beginn der „Spezialoperation“ und sei eine Folge des herrschenden Rechts des Stärkeren. Ob Russland in diesem Vergleich der Eisbär oder der Orca sein soll, ließ Putin offen.
Kreml-Propaganda auch an Schulen
Bemerkenswert: Putins Behauptung ist zoologisch nicht belegt. Zwar könnten Orcas theoretisch auch Eisbären töten, doch in der Natur geschieht das extrem selten. ABER: Der Kreml-Despot erfindet regelmäßig Mythen – auch zum Krieg. Ihm zufolge gibt es die Ukraine gar nicht, denn Ukrainer seien eigentlich Russen. Das „Nazi-Regime“ in Kiew rede ihnen nur ein, sie seien ein eigenes Volk.
Zweifel an solchen Erzählungen über den Krieg will Putin mit gezielter Propaganda ersticken – und die reicht auch tief ins russische Bildungssystem hinein. In Schulbüchern der Oberstufe wurde die „Sonderoperation“ in der Ukraine schon 2024 als Kampf „für das Gute und die Wahrheit“ sowie als legitimer Akt der Selbstverteidigung dargestellt.