TTS-Player überspringenArtikel weiterlesen

Brüssel — US-Verteidigungsminister Pete Hegseth (46) hat die Nato-Verbündeten in Europa zu mehr Eigenverantwortung bei der Verteidigung des Kontinents aufgefordert. In Brüssel, wo sich am Donnerstag die Verteidigungsminister der Militärallianz treffen, sprach er sich für ein Konzept einer „Nato 3.0“ aus. Dabei werde in einem Zeitraum von bis zu sechs Monaten die „Streitkräftepräsenz und Stationierung der USA in Europa“ begutachtet.

Die Überprüfung solle sicherstellen, „dass die Nato sich schnell und unwiderruflich in Richtung eines von Europa geführten Bündnisses bewegt, in dem Europa die Hauptverantwortung für die Verteidigung Europas übernimmt“, fügte er hinzu. Dazu gehöre die Einsicht nach dem Kalten Krieg, dass die Nato wieder stärker auf konventionelle militärische Fähigkeiten in Europa ausgerichtet sein müsse. Die Nato müsse in der Lage sein, jede Bedrohung direkt vor Ort abzuschrecken.

Hegseth: Stärke der Nato kommt von „Kriegern“

Viel zu lange sei die Allianz „ein Papiertiger und eine Einbahnstraße“ gewesen. „Damit ist jetzt Schluss“, sagte Hegseth. Die Stärke des Bündnisses stamme nicht von Komitees und kleinen Flaggen auf den Tischen, sondern von „Kriegern“. Es gebe Schritte in die richtige Richtung, aber auch echte Rückschläge, „die wir nicht ignorieren können“, sagte der US-Minister. Und: „Trotz all unserer Klarheit scheinen zu viele Hauptstädte unserer Verbündeten noch immer etwas misszuverstehen.“

Er kritisierte: „Einige der größten Volkswirtschaften der Nato, einige unserer reichsten Länder, Verbündete, die am liebsten über die regelbasierte internationale Ordnung und das Zusammenstehen von Mittelmächten sprechen, scheinen immer noch zu glauben, dass die Ära des Trittbrettfahrens weitergeht.“

Pistorius: Brauchen geordneten Übergang

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (66, SPD) hat in Brüssel derweil einen geordneten Übergang angemahnt. „Im Großen und Ganzen werden wir vieles kompensieren können, aber wir brauchen etwas mehr Zeit“, sagte er. Es sei „schwierig und gefährlich für die Sicherheit des Nato-Gebiets in Europa, wenn Fähigkeiten abgezogen werden, sehr schnell, ohne dass klar ist, wann sie kompensiert werden können“, verdeutlichte Pistorius. Entscheidend sei nun die „Synchronisierung der einzelnen Schritte“.