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Washington/Teheran – Nach außen wirkte es zuletzt, als lägen Donald Trump (80) und sein Vize JD Vance (42) beim Iran-Krieg komplett über Kreuz. Trump setzte auf militärischen Druck, Vance galt als Skeptiker, warnte vor dem Krieg und drängte auf Diplomatie. Nach der jüngsten Wahl-Klatsche der Republikaner machte er den Konflikt sogar wesentlich für die Niederlage seiner Partei verantwortlich.

Doch hinter den Kulissen zeigt sich jetzt ein anderes Bild: Vance verhandelt mit Trumps Rückendeckung über einen Ausweg aus dem Krieg. Seit rund zwei Wochen ist der Vizepräsident nach Informationen vom US-Portal „Axios“ persönlich in indirekte Gespräche mit dem Iran eingeschaltet. Es geht um eine neue Waffenruhe und die Wiederaufnahme der Atomverhandlungen.

Und Trump lässt Vance machen. Der Präsident will den diplomatischen Bemühungen vorerst Zeit geben und herausfinden, ob ein Deal mit Teheran möglich ist. Am Freitag bestätigte er selbst: „Wir sprechen mit ihnen.“

Damit stellt sich die Frage: War der Gegensatz zwischen Trump und Vance beim Iran womöglich viel kleiner, als er öffentlich wirkte? Vance soll demnach nahezu täglich mit Katars Regierungschef Scheich Mohammed bin Abdulrahman Al-Thani (46), Pakistans Armeechef Feldmarschall Asim Munir (58) und weiteren Vermittlern sprechen. Mit am Tisch: Trumps Sondergesandter Steve Witkoff (69) und sein Schwiegersohn Jared Kushner (45).

Diskutiert wird bereits über ein Treffen amerikanischer und iranischer Unterhändler. Noch ist es allerdings nicht zustande gekommen. Wie ernst Vance es meint, zeigt ein weiterer Schritt: Bereits vor zwei Wochen schrieb er an Mohsen Rezaei (72), den Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrates im Iran, und schlug die Wiederaufnahme direkter Gespräche vor. Nach Angaben iranischer Regierungsvertreter sorgte der Brief in Teheran für neue Bewegung.

Vance bekommt eine zweite Chance

Vance ist dabei keineswegs plötzlich zum Friedensvermittler geworden. Schon vor Beginn des Krieges Ende Februar gehörte er in Trumps engstem Kreis zu den größten Skeptikern einer militärischen Lösung. Im April führte er das US-Verhandlungsteam bei einem Iran-Gipfel in Islamabad an. Im Juni war er an der Vereinbarung zwischen Washington und Teheran beteiligt, später führte er die US-Delegation bei direkten Gesprächen in der Schweiz. Die damalige Annäherung scheiterte schließlich, nachdem die iranischen Revolutionsgarden erneut Schiffe angegriffen hatten.

Jetzt bekommt Vance eine zweite Chance. Und diesmal zieht Trump sichtbar mit. Am Freitag telefonierte der Präsident persönlich mit Katars Emir Scheich Tamim bin Hamad Al-Thani (46) über dessen Vermittlungsbemühungen zwischen Washington und Teheran. Gleichzeitig hält Trump die militärische Drohkulisse aufrecht: Sollte er die Gespräche für gescheitert erklären, könnte das US-Militär laut „Axios“ innerhalb relativ kurzer Zeit wieder losschlagen. Vergangene Woche übten die USA vereinzelte geheime Luftschläge auf Irans Raketeninsel Keshm aus.

Bedeutet: Vance hält die Tür für einen Deal offen, Trump hält den militärischen Druck aufrecht.